Beim Startup Market in Düsseldorf zeigen junge Life-Science-Unternehmen, wie aus Forschung marktfähige Geschäftsmodelle entstehen – und warum Kapital, Kooperationen und Netzwerke dabei entscheidend sind.
Autorin: Simone Fischer; © AdobeStock; Stand 09/2026
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Damit aus wissenschaftlichen Erkenntnissen ein marktfähiges Produkt und schließlich ein Unternehmen wird, braucht es Kapital, Partner, ein funktionierendes Netzwerk – und einen langen Atem. Wie unterschiedlich dieser Weg aussehen kann, zeigte der „4. Startup Market BioTech, LifeScience & Health“ im Düsseldorfer Life Science Center. Rund 30 Start-ups aus Nordrhein-Westfalen präsentierten dort ihre Ideen und Geschäftsmodelle. Forschende und Gründende trafen auf weit mehr als 100 Gäste, darunter zahlreiche private Investoren und Unternehmen. An den Ständen diskutierten sie neue Ideen, knüpften Kontakte und loteten mögliche Kooperationen aus.



Wenn Forschung den Sprung in den Markt schafft
Zu den jungen, innovativen Unternehmen, die ihre Arbeit beim Startup Market präsentierten, gehörte auch die Düsseldorfer DNTOX GmbH. 2022 aus einer Forschungsgruppe des Leibniz-Instituts für umweltmedizinische Forschung (IUF) gegründet, ist das Team inzwischen von sechs auf zwölf Personen gewachsen. Mit zwei- und dreidimensionalen In-vitro-Testsystemen aus menschlichen Zellmodellen untersucht DNTOX ohne Tierversuche, wie Chemikalien Entwicklung und Funktion der Nervenzellen beeinträchtigen. Mitgründerin Dr. Kristina Heck erlebt den Alltag dabei auch nach 1.000 Tagen noch oft als überraschend. „Es ist immer noch unglaublich aufregend und spannend. Es kommt häufig anders, als man denkt“, sagt sie augenzwinkernd. Denn Abweichungen vom Plan hätten das Unternehmen am Ende immer wieder weitergebracht, besonders in einem Bereich, der stark von regulatorischen Entscheidungen auf europäischer Ebene abhängt.
Noch vor der Gründung steht Bingxin Zhao mit KANT Digital. Nach ihrem BWL-Master an der Heinrich-Heine-Universität arbeitete sie im Gesundheitswesen an Digitalisierungsthemen. Heute entwickelt sie selbst mit einem vierköpfigen interdisziplinären Team die Lernplattform AEVUS für Aus- und Weiterbildung sowie Integration in der Pflege, zunächst mit Fokus auf internationale Pflegekräfte. In virtuellen Situationen trainieren die Nutzerinnen und Nutzer das Zusammenspiel aus fachlichen Abläufen, Kommunikation und kulturellem Verständnis, etwa bei Übergaben oder in Konfliktsituationen. Damit will Zhao Handlungssicherheit im deutschen Berufsalltag schaffen und dem Fachkräfteengpass in der Pflege entgegenwirken.
„Wir wollen helfen, schneller, sicherer und realistischer zu interagieren“, sagt Zhao. Fehlende Sicherheit könne Frustration auslösen und die Fluktuation erhöhen. An dieser Stelle soll das Training ansetzen. Situationen lassen sich geschützt erleben, wiederholen und einüben, bevor sie im Klinikalltag auftreten. KANT Digital steckt noch in der Entwicklungs- und Validierungsphase, vor dem Markteintritt sollen Pilotprojekte folgen. Dafür brauche es Partner, die offen und gestaltungsbereit sind. Für die 2027 geplante Gründung ist der Wirtschaftsstandort Düsseldorf für Zhao besonders attraktiv. „Die Region bietet eine sehr gute Infrastruktur, eine starke regionale Vernetzung, die Nähe zu Hochschulen und Unternehmen und ist zugleich ein bedeutender Messestandort“, sagt sie.
Wo Innovation Millionen und Mut zum Risiko braucht
Partner und Kapital sind auch für Bi/myo aus Monheim entscheidend. Hier geht es allerdings um Millionen. Managing Director Axel Heinemann ist promovierter Biochemiker und erfahrener Gründer. Unter anderem leitet er das Monheimer Life-Science-Unternehmen Resolve BioSciences. Bi/myo entwickelt mit B-017 ein Peptid, das Herzinfarktpatienten vor einer späteren Herzschwäche schützen soll. Eine erste Untersuchung am Menschen zur Verteilung des Wirkstoffs wurde mit acht Patienten durchgeführt. Für die 2027 geplante Phase-Ib-Studie mit 42 Patienten und die Herstellung des Prüfpräparats benötigt Bi/myo fünf Millionen Euro. Die Finanzierung sei eine der großen Hürden. „In Europa haben die Venture Capitals den Mut zum Risiko verloren“, meint Heinemann. Viele Investoren setzten lieber auf starke bestehende Portfolios und nahezu risikofreie spätphasige Start-ups als auf risikobehaftete frühphasige Life-Science-Start-ups, so der Unternehmer. Umso wichtiger seien persönliche Kontakte zu möglichen Kapitalgebenden und Partnern. Bi/myo sucht deshalb ein großes Pharmaunternehmen für die weitere Entwicklung. Sein Ziel ist ein Markteintritt im Jahr 2032.
Die IHK Düsseldorf ist Partnerin des Startup Markets und unterstützt Gründende mit Beratung, Orientierung bei Fördermöglichkeiten und der Vernetzung mit Unternehmen, Hochschulen und weiteren Akteuren. Gleichzeitig eröffnet der Austausch etablierten Unternehmen Zugang zu neuen Technologien, Innovationsfeldern und möglichen Kooperationspartnern. Der Startup Market bringt damit Forschung, Unternehmertum und Kapital zusammen und macht sichtbar, dass junge Unternehmen in den Life Sciences neben einer guten Idee vor allem Kapital, verlässliche Partner und ein Netzwerk brauchen, das Forschung und Wirtschaft miteinander verbindet.
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Gründen heißt machen: Dieser Beitrag ist Teil unserer Themenwoche Gründung.


