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Indien – ein Baustein zur Fachkräftesicherung in Deutschland

Am 9. Juni hatten IHK Düsseldorf und AHK Indien interessierte Unternehmen zum „Recruiting Day India“ eingeladen – in verschiedenen Vorträgen, Pitches und einer Diskussionsrunde ging es um die Rolle Indiens bei der Fachkräftesicherung deutscher Unternehmen.

Text: Beate Werthschulte; (c) IHK Düsseldorf/Andreas Endermann; Stand 06/2026

Im Rahmen der Veranstaltungswoche „Düsseldorf meets India“ vom 07. bis 13. Juni ist die Landeshauptstadt zentrale Plattform für den Austausch zwischen deutschen und indischen Vertretern aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft. Zu den zahlreichen Veranstaltungen gehörte am 9. Juni das traditionelle Jahrestreffen der AHK Indien, die in diesem Jahr ihr 70-jähriges Bestehen feiert. Längst ist Düsseldorf ein wichtiger Standort für indische Unternehmen und Fachkräfte geworden. So sind derzeit rund 40 indische Unternehmen in Düsseldorf vertreten, und etwa 8.000 Menschen indischer Herkunft leben in der Landeshauptstadt.  Um die wirtschaftlichen Beziehungen weiter auszubauen und zu intensivieren, gründeten die IHK Düsseldorf, die Landeshauptstadt Düsseldorf und die Messe Düsseldorf bereits vor rund einem Jahr gemeinsam das Indien-Kompetenzzentrum Düsseldorf (IKD), das unter anderem Unternehmen bei der Fachkräftegewinnung aus Indien unterstützt. Ebenfalls am 9. Juni, eingebettet in diese Veranstaltungswoche, hatte die IHK Düsseldorf in Kooperation mit der AHK Indien den „Recruiting Day India“ organisiert – den teilnehmenden Unternehmen wurden konkrete Wege und Möglichkeiten aufgezeigt, um Auszubildende und Fachkräfte aus Indien zu gewinnen.

Gute Rahmenbedingungen schaffen

Deutschland setzt zur Linderung des Fachkräftemangels bereits seit Jahren auf qualifizierte Zuwanderer aus Indien, unter anderem in der IT- Branche und im Pflegebereich – so berichtete Thomas Heim, Referat „Internationale Fachkräftegewinnung, Migrationsabkommen“, Bundesministerium für Arbeit und Soziales, dass derzeit rund 180.000 indische Staatsangehörige sozialversicherungspflichtig in Deutschland beschäftigt sind. Durch das Fachkräfteeinwanderungsgesetz und gezielte bilaterale Abkommen, beispielsweise das Abkommen zur Anwerbung von Pflegekräften, seien die bürokratischen Hürden gesenkt und Anerkennungsverfahren beschleunigt worden, erläuterte er. Wie wichtig darüber hinaus eine gute und starke Willkommenskultur ist, unterstrich Shyney Vallomtharayil, Projektleiterin bei der NRW-Fachkräfteagentur International (FAI NRW), in ihrem Vortrag. Die FAI NRW versteht sich als „Bürokratie- und Integrationslotse“ und unterstützt – kostenfrei – Unternehmen in Nordrhein-Westfalen, die internationale Fachkräfte, unter anderem aus Indien, gewinnen wollen.

Die Vorbereitung, so Vallomtharayil, müsse bereits in Indien starten, ganz wichtig sei es, ein Bewusstsein für kulturelle Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu schaffen. Eine besondere Herausforderung sei dabei die Betreuung von Auszubildenden und deren Unterstützung im Alltag, um sie langfristig zu integrieren, erläuterte sie. Um erfolgreich Fachkräfte in Indien zu rekrutieren, sind des Weiteren gute Kenntnisse des dortigen Arbeitsmarkts essenziell – Mareen Haring von Germany Trade and Invest (GTAI), der zentralen Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Bundesrepublik Deutschland, erläuterte in ihrem Vortrag unter anderem, wie entscheidend Karrieremöglichkeiten und Entwicklungsperspektiven für indische Bewerberinnen und Bewerber sind.

Programme und Pilotprojekte

Interessierte Unternehmen können zur Gewinnung indischer Fachkräfte unterschiedliche Wege nutzen. Unter anderem steht ihnen das bereits seit einigen Jahren etablierte, von der DIHK durchgeführte und vom Bundeswirtschaftsministerium geförderte Programm „Hand in Hand for International Talents“ zur Verfügung. Die dortigen Experten rekrutieren für IHK-Unternehmen in den Berufsgruppen Elektro, Metallverarbeitung und Mechatronik, IT sowie Köchinnen und Köche – vermittelt werden Fachkräfte mit Berufserfahrung und anerkennungsfähigen Abschlüssen, die langfristig in Deutschland bleiben wollen. In der Regel verfügen sie bereits bei der Einreise über gute Deutschkenntnisse. „Wir begleiten den gesamten Auswahl- und Einreiseprozess, von der Rekrutierung über die Anerkennung bis zur Integration in das jeweilige Unternehmen“, erläuterte Projektmanagerin Viktoria Landers.

Zum ersten Mal öffentlich vorgestellt wurde mit der „Ausbildungskooperation Düsseldorf – Karnataka“, ein Pilotprojekt zwischen Düsseldorf und dem indischen Bundesstaat Karnataka, um qualifizierte indische Auszubildende für Unternehmen in der Region Düsseldorf zu gewinnen. Partner ist unter anderem die GIZ India. Das Projekt ist in zwei Phasen unterteilt. Die erste dauert etwa ein Jahr und fokussiert sich auf intensive Deutschkurse und interkulturelle Schulungen, in der zweiten Phase sollen die jungen Talente dann eine Ausbildung bei einem interessierten Düsseldorfer Unternehmen absolvieren. „Der Bundestaat Karnataka übernimmt dabei die Kosten für die Vorausbildung in der ersten Phase, was nicht selbstverständlich ist“, erklärte Ferdinand Schlechta, Projektleiter Indien-Kompetenzzentrum Düsseldorf. Die IHK Düsseldorf, so Schlechta weiter, suche interessierte Unternehmen in der Region. Diese müssen, wenn sie passende Talente finden, neben einem festen Vertrag und der Unterstützung bei Behördengängen sowie der Wohnungssuche die Flugkosten nach Deutschland übernehmen. Neben Schneider Electric – hier wird es frühestens für den Ausbildungsstart 2027 zu einer Entscheidung kommen – nimmt die Düsseldorfer Rheinbahn an diesem Pilotprojekt teil und hat sich, nach ausführlichen Online-Gesprächen, für fünf junge Talente entschieden, die möglicherweise noch in diesem Jahr eine Ausbildung beginnen könnten.

Voraussetzung dafür, so Schlechta, sei ein erfolgreicher Abschluss der Vorausbildung. Bei der Rheinbahn würde man sich freuen, erklärte Andreas Reifenscheidt, Abteilungsleiter Betriebliche Ausbildung, im Rahmen der Veranstaltung. Die entsprechenden Voraussetzungen – es gibt eine eigene Sprachschule, um die Deutschkenntnisse zu vertiefen, und in Kooperation mit dem Kolping Jugendwohnen auch Unterkünfte – wurden jedenfalls geschaffen.


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