Warum Praktika für Unternehmen essenziell sind

Aus der IHKWarum Praktika für Unternehmen essenziell sind

In Zeiten von Fachkräftemangel und demografischem Wandel sind Unternehmen darauf angewiesen, junge Talente früh an sich zu binden. Im IHK-Format „Digitale Ausbildersprechstunde“ geben Fachleute Tipps, welche Angebote und Kanäle Unternehmen dafür nutzen können und wie sie sich als attraktiver Arbeitgeber präsentieren.

Autorin: Gesa van der Meyden; (c), Stand 04/2026

Wer das Wort Praktikum hört, hat schnell gewisse Klischees im Kopf. Da sie für Jugendliche in der Regel verpflichtend sind, hält sich ihre Motivation in Grenzen, und auch Unternehmen sind oft nicht ausreichend auf ihre Kurzzeit-Mitarbeitenden vorbereitet. Das Ergebnis: Die Schülerinnen und Schüler verdingen sich beim Kaffeekochen und Akten sortieren, die Arbeitgeber sehen wenig Mehrwert, und heimlich zählen alle die Tage, bis es vorbei ist.

Diese Annahme ist aber alles andere als zeitgemäß. Praktika sind heute vielmehr das Schlüssel-Instrument, um frühzeitig potenzielle Auszubildende und Mitarbeitende an sich zu binden und damit letztlich die Existenz des Unternehmens sicherzustellen. Der Fachkräftemangel ist allgegenwärtig, und Unternehmen konkurrieren um junge Talente, die sich ihrerseits auf einem angespannten Arbeitsmarkt früh um eine berufliche Perspektive kümmern müssen.

„Wichtigste Informationsquelle für berufliche Orientierung“

In der „Digitalen Ausbildersprechstunde“ der IHK Düsseldorf, in der Referenten aus den Fachressorts interessierten Unternehmen regelmäßig in einer ungezwungenen virtuellen Gesprächsrunde Perspektiven für die Förderung von Talenten aufzeigen, ging es nun um das Thema „Nachwuchs gewinnen: Praktika zur Berufsorientierung und Ausbildungsanbahnung“. Dabei wurde in einer schnellen Fragerunde zu Beginn klar, dass viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer selbst noch die oben beschriebenen Wann-ist-es endlich-vorbei-Praktika erlebt haben. Umso besser können sie erklären, warum sich Unternehmen das heute nicht mehr leisten können.

So zitierte Lisa Stege, Koordinatorin für Schulkontakte bei der IHK Düsseldorf, eine Studie der Bertelsmann-Stiftung zu Ausbildungsperspektiven aus dem Jahr 2024, nach der Praktika das zentrale Instrument zur Anbahnung von Ausbildungsverträgen sind. „Sie sind für Jugendliche die wichtigste Informationsquelle für die berufliche Orientierung.“ Sie verwies auf die verpflichtenden Schulpraktika für Jugendliche in den Klassen 9 und 10, die Unternehmen nutzen können, um sich vorzustellen. „Selbst wenn das Praktikum einem Jugendlichen gezeigt hat, dass es nicht seine oder ihre Branche ist, können Unternehmen trotzdem profitieren, wenn sie sich als attraktiver Arbeitgeber präsentieren und sich das unter Freunden oder Geschwistern herumspricht.“

IHK-Übergangs- und Bildungslotsen als Ansprechpartner

Dominik Kaya, der im Projekt ‚Ausbildungswege NRW‘ Schülerinnen und Schüler auf dem Weg in die Ausbildung begleitet und unterstützt, sprach über Jahrespraktika an Berufskollegs, bei denen die Jugendlichen ein Jahr lang ein bis zwei Tage pro Woche in einem Betrieb arbeiten oder blockweise für mehrere Wochen. Auch hier können Unternehmen möglichen Nachwuchs gewinnen, denn die Berufskolleg-Schülerinnen und -Schüler brauchen die Praktika für ihren Abschluss.

„Verschiedene Praktikumsmodelle kennenzulernen, könnte Unternehmen helfen, potenziellen zukünftigen Auszubildenden die Chance zu geben, frühzeitig Einblicke in das Unternehmen zu gewinnen““, so Kaya. Falls Unternehmen dazu Fragen haben, ist das gesamte Matching-Team der IHK Düsseldorf jederzeit ansprechbar. Andere Anlaufstellen sind etwa Ausbildung.NRW, die Düsseldorfer Praktikumsbörse oder Bei Anruf Praktikum!, ein Angebot der Agentur für Arbeit.

Digitale Vermittlungsplattform „Praktikumswoche NRW“

Gesprächsteilnehmerin Vanesse Karges, Projektmanagerin bei der stafftastic GmbH, stellte die vom Land NRW finanzierte digitale Vermittlungsplattform „Praktikumswoche NRW“ vor, auf der sich Unternehmen kostenlos anmelden können und die mit Hilfe eines Matching-Algorithmus zuvor ebenfalls angemeldete Schülerinnen und Schüler ab 15 Jahren mit den Unternehmen zusammenbringt. „Das Konzept verzichtet bewusst auf aufwendige Bewerbungsprozesse wie Zeugnisse oder Lebensläufe, um die Hürden für den Erstkontakt so gering wie möglich zu halten. Die Jugendlichen können in den Sommerferien für jeweils ein bis zwei Tage verschiedene Unternehmen kennenlernen und umgekehrt.“

Die Gesprächsrunde war sich einig darin, dass Unternehmen einige grundlegende Aspekte beachten sollten, um aus einem Praktikum einen Erfolg für alle Beteiligten zu machen: Sie sollten den Jugendlichen eine feste Bezugsperson zur Seite stellen, gern auch Auszubildende, da sie als Mitglieder der selben Peer-Group authentischer wirken können, sie sollten sie aktiv in Arbeitsabläufe einbinden, die einen echten Bezug zum späteren Arbeitsalltag herstellen, und sie sollten sich regelmäßig Feedback von den Praktikantinnen und Praktikanten einholen.


Diese und weitere Erfolgsgeschichten aus dem Bereich Aus- und Weiterbildung lesen Sie hier.

NEUES AUS DER RUBRIK