Text: Gesa van der Meyden, Firmenfoto

Als das Ehepaar Werner und Stephanie Laux am 15. Juni 1970 das Unternehmen MWS Werbe-Service GmbH gründete, waren beide bereits erfahrene Marketing-Strategen. Die gelernte Industriekauffrau Stephanie Laux hatte zuvor bereits 15 Jahre lang als Grafikerin, Texterin und Kreativdirektorin gearbeitet und für Kunden Messestände, Werbespots und Industriefilme mitentwickelt. Ihr Mann Werner Laux, Film- und Verlagskaufmann sowie studierter Kommunikations- und Betriebswirt, blickte auf 20 Jahre Erfahrung in nationalen und internationalen Agenturen zurück. Er war maßgeblich am Bewerbungskonzept der Stadt Bonn als Bundeshauptstadt im Jahr 1949 beteiligt. Auch dank seines Exposés bekam die Stadt am Rhein schließlich den Zuschlag.

Beide erkannten den Markt für Informations-Logistik, also den Bedarf der Firmen im aufstrebenden Wirtschaftswunderland, ihre Marketing- und Werbemittel professionell herstellen, verpacken und direkt an die Kunden schicken zu lassen. Das Ehepaar Laux und sein Team aus damals rund 24 Mitarbeitern übernahm die Rundum-Betreuung aus Beratung, Produktentwicklung, strategischer Ausrichtung und Transport. In ihren Hallen am Standort an der Speditionsstraße im Düsseldorfer Hafen verfügten sie über eine Lagerfläche von mehr als 1.800 Quadratmetern, Lastenaufzug, Rampe und Lkw-Auffahrt.

„Der Standort im Hafen war strategisch günstig, weil er im Mittelpunkt der damaligen Hauptkunden 3M und Handelsblatt lag“, sagt Peter Kieffer, heutiger Geschäftsführer der MWS GmbH. Für die Düsseldorfer Wirtschaftszeitung betreute die Firma das Archiv, also sämtliche erschienenen Ausgaben. Als Deutschland Mitte der 1970er-Jahre die Gurtpflicht im Auto einführte, übernahmen das Paar Laux und sein Team die begleitende Marketing-Kampagne aus Werbung und Informationsbroschüren, die dabei halfen, Akzeptanz für die zunächst höchst unpopuläre Entscheidung in der Bevölkerung zu schaffen.

Höchste Umsätze in den 1990er Jahren

Damals hatte das Unternehmen in Spitzenzeiten bis zu 70 Mitarbeiter. Im August 1985 verschmolz die WS Werbe-Service GmbH mit der Agentur AW Absatz- und Werbeberatung GmbH und nannte sich zunächst MWS Marketingberatung und Werbe-Service, im April 1989 folgte die endgültige Umbenennung in MWS Marketing- und Wirtschaftsservice GmbH. Nachdem sich der Düsseldorfer Hafen auch auf Betreiben der Politik allmählich von einem Industriehafen zu einem Medienhafen entwickelte, zog das Unternehmen Ende der 1990er-Jahre von der Speditionsstraße an die Straße Am Fallhammer ins Hafen-Randgebiet. Wirtschaftlich lief es dennoch sehr gut. „Zu dieser Zeit machte MWS die größten Umsätze“, sagt Peter Kieffer. „Da Werner und Stephanie Laux beide schon im Rentenalter waren und ihre Kinder sich wünschten, dass sie allmählich etwas kürzertreten, verkauften sie die Firma 2009 an den Deutschen Pressevertrieb DPV“, erzählt Kieffer, der das Unternehmen seit April dieses Jahres leitet.

„Es gibt immer noch einen Markt für Produkthandbücher, kundenspezifische Verpackungen und unser logistisches Experten-Netzwerk.“

Peter Kieffer

Dem jahrzehntelangen Aufstieg der Firma folgte eine allmähliche Verkleinerung, weil sich das Anforderungsprofil der Kunden im Zuge der Digitalisierung änderte. Die Nachfrage nach rein physischen Werbe- und Vertriebsprodukten, bis heute das Kerngeschäft von MWS, nahm ab, so dass die Firma heute sieben Mitarbeiter beschäftigt. Seit diesem Jahr gehört MWS, 2018 an den Flinger Broich gezogen, zur Krefelder Firma QTRADO Logistics, einem Unternehmen der QTRADO Gruppe. „Mittelfristig wird MWS in QTRADO aufgehen“, sagt Kieffer. Dennoch ist das Portfolio des Traditionsunternehmens auch heute noch gefragt. „Es gibt immer noch einen Markt für Produkthandbücher, kundenspezifische Verpackungen und unser logistisches Experten-Netzwerk“, betont der Geschäftsführer. „Unser Kunde Thyssenkrupp Plastics, der mit Kunststoffen handelt, muss auch heute noch ganz real und analog Musterplatten verschicken, damit die Kunden das Produkt wirklich beurteilen können, und das übernehmen wir.“ So bleibt das berufliche Erbe von Werner Laux, der im Mai 2019 verstarb, und seiner Frau Stephanie erhalten. Beide prägten ein Stück Düsseldorfer Wirtschaftsgeschichte.