Aus unserer Serie: Ausbildungsberufe am Limit

Text: Jürgen Grosche, Fotos: Wilfried Meyer

Bei der Flughafen-Feuerwehr zu arbeiten, ist für junge Männer offensichtlich ein Traumjob. Viele zeigen jedenfalls Interesse an einer Ausbildung in diesem Beruf jenseits des Mainstreams. „Wir bekommen auf unsere acht Ausbildungsstellen mehr als 600 Bewerber“, sagt Susanne Hinninghofen von der Personalentwicklung des Düsseldorfer Flughafens.

Die Werkfeuerwehr-Ausbildung wird momentan alle zwei Jahre angeboten. Neben dem Job an sich reizt natürlich das Umfeld, aber auch die Ausstattung. Wer sich für den Beruf interessiert, weiß, was ein „Panther“ ist: Das Löschfahrzeug mit 1.500 PS von Null auf 80 Stundenkilometer in nur 20 Sekunden zu beschleunigen – das würde jeder Anwärter gerne erleben. Gerade hat der Flughafen zwei davon bekommen.

Einsatzbereit: Auszubildender Sebastian Wehrmann übernimmt das Steuer im Löschfahrzeug „Panther“

Fitness, Technik, Teamfähigkeit

Doch die Bewerber müssen auch einiges mitbringen: „Teamfähigkeit, körperliche Fitness und ein technisches Interesse“, zählt Brandoberinspektor Thomas Zewe auf – er ist auch für die Aus- und Fortbildung bei der Feuerwehr zuständig. Die Sportlichkeit wird schon bei der Einstellung getestet. Auch im Berufsleben müssen die Feuerwehrmänner – Frauen sind bislang noch nicht dabei – alle drei Jahre ihre Tauglichkeit unter Beweis stellen. Während der Ausbildung absolvieren sie Sport- und Schwimmabzeichen. „Und sie sollten einen gesunden Lebenswandel haben“, betont Zewe: „Ihr Körper ist ihr Kapital.“


„Auf der Tonspur“ – Autor Jürgen Grosche fragt nach

In den ersten 18 Monaten der dreijährigen Ausbildung lernen die Nachwuchskräfte erst einmal handwerkliche Tätigkeiten kennen: In der Ausbildungswerkstatt des Flughafens werden die Feuerwehr-Azubis zusammen mit den anderen Berufsbildern im handwerklichen Bereich in den Gewerken Holz- und Metallverarbeitung und Elektro- und Sanitärinstallationen ausgebildet. „Man muss Schneidbrenner bedienen können und im Einsatz ein Verständnis von Stromkabeln oder Wasserleitungen haben“, begründet Zewe diesen Ausbildungsteil, der auch geprüft wird.

Die Auszubildenden Sebastian Wehrmann und Philip Schütz mit Ausbildungsleiter Brandmeister Thomas Zewe

In der darauffolgenden Feuerwehr-Grundausbildung heißt es in den ersten Wochen: „Schulbank drücken und üben“, so Zewe: Wie legt man Atemschutzgeräte an, rollt man Schläuche auf? Zur Grundausbildung gehören auch die Qualifizierung als Rettungssanitäter, Praktika in der Wache und Erfahrungen, die sie bei Einsätzen auf den Fahrzeugen sammeln. Die Realbrandausbildung absolvieren sie an einer Brandsimulationsanlage.

„Früher war der Verdienst am wichtigsten“

– Thomas Zewe

Seit 2014 bildet der Flughafen Feuerwehrleute mit anschließender IHK-Prüfung in dem noch jungen Berufsbild aus. Die Azubis erhalten gemäß dem Tarifvertrag für Auszubildende des öffentlichen Dienstes im ersten Ausbildungsjahr 1.018 Euro, dann jedes Folgejahr 50 bis 60 Euro mehr. Wie überall hat sich auch bei der Feuerwehr die Einstellung der jungen Mitarbeiter und Bewerber verändert. „Früher war der Verdienst am wichtigsten“, sagt Zewe. Heute fragen Kandidaten auch nach Weiterbildungsmöglichkeiten, dem Arbeitsklima oder danach, wie viele Dienste sie absolvieren müssen.

Ausbildungsberuf mit Perspektive

Philip Schütz freut sich über seine Perspektive bei der Flughafen-Feuerwehr in Düsseldorf

In der Ausbildung und den Tätigkeitsprofilen unterscheidet sich die Werkfeuerwehr übrigens nicht von der Berufsfeuerwehr. Weitere Gemeinsamkeit: „Alle Feuerwehren haben Probleme, Stellen zu besetzen“, sagt Zewe. Daher übernimmt der Flughafen alle erfolgreichen Azubis. „Das ist ein Beruf mit interessanter Perspektive“, betont der Brandoberinspekteur. „Und Feuerwehrleute lernen nie aus. Sie müssen immer wieder Fortbildungen absolvieren.“ Im Arbeitsalltag kommen am häufigsten Sanitätseinsätze am Flughafen vor, hin und wieder auch das Löschen von Gebäudebränden. „Wir haben insgesamt 165 Kollegen im Alarmdienst“, die also als Feuerwehrmänner tätig sind, erklärt Zewe. Die tägliche Sollstärke liegt bei 37 Mitarbeitern.

Generell lockt der Airport junge Menschen an – sicher wegen der Attraktivität des Arbeitens am internationalen Luftdrehkreuz, aber wohl auch, weil der Flughafen für die Qualität seiner Ausbildung bekannt ist. Zum dritten Mal erhielt der Betrieb im vergangenen Jahr das Gütesiegel „Ausgezeichneter Ausbildungsbetrieb“. Ein Auszubildender der Feuerwehr wurde 2019 sogar NRW-Landesbester. In acht Berufen bildet der Flughafen aus – vom Anlagenmechaniker über Kaufleute für Büromanagement bis zu Fachkräften für Lagerlogistik. Außerdem bietet der Betrieb drei duale Studiengänge an, zum Beispiel im Luftverkehrsmanagement. „Bisher konnten wir immer alle Stellen besetzen“, sagt Sabine Lörks, in der Personalentwicklung zuständig für Ausbildungs- und Studiengänge.

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