Innovationsökosystem Düsseldorf

Aus der IHKInnovationsökosystem Düsseldorf

Innovationen entstehen erst dann, wenn aus einer Idee ein marktfähiges Produkt, eine neue Dienstleistung oder eine bessere Methode wird – und daraus nachhaltiger wirtschaftlicher Erfolg.

Autorin: Beate Werthschulte; © AdobeStock; Stand 06/2027

Innovation entsteht erst dann, wenn aus einer Idee ein marktfähiges Produkt, eine neue Dienstleistung oder eine bessere Methode wird – und daraus nachhaltiger wirtschaftlicher Erfolg. Dafür braucht es mehr als gute Einfälle: Entscheidend sind starke Netzwerke, Wissenstransfer und Kooperationen. Genau hier setzt das Innovationsökosystem Düsseldorf an. Unternehmen, Startups, Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Investoren arbeiten eng zusammen, um neue Ideen schneller in die Praxis zu bringen – und so Wettbewerbsfähigkeit, Wachstum und Wohlstand zu sichern. Zunehmend rücken dabei auch sogenannte Dual-Use-Technologien in den Fokus – also Innovationen, die sowohl zivil als auch im Verteidigungsbereich eingesetzt werden können, etwa Drohnen, Satellitentechnologie oder Verschlüsselungssoftware.

Einer der zentralen Akteure im Düsseldorfer Innovationsökosystem ist der neue EUREF-Campus am Flughafen – ein Ort, an dem Ideen entwickelt, erprobt und in die Praxis gebracht werden. Rund 4.000 Mitarbeitende aus Unternehmen, Start-ups, Wissenschaft und Forschung sollen hier künftig an den Zukunftsthemen Energie, Mobilität und Nachhaltigkeit arbeiten. Das Besondere: kurze Wege, thematische Nähe und ein enger Austausch schaffen ideale Voraussetzungen für Kooperationen und Synergien – insbesondere auch für mittelständische Unternehmen. „Die Campus-Community sucht die Verankerung und Vernetzung in Düsseldorf und der Region und bietet viele Formate und Veranstaltungen an, von niedrigschwellig bis sehr fokussiert, die von allen an der Energiewende Interessierten genutzt werden können. Die Player können kooperieren“, erklärt Karin Teichmann, Vorständin der EUREF AG. Eine Schlüsselrolle übernimmt zudem der Talent Campus. Mit innovativen Studiengängen zu erneuerbaren Energien, intelligenten Stromnetzen sowie nachhaltigen Gebäude- und Logistiklösungen soll er gezielt Fachkräfte für die Transformation ausbilden – und damit die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen in Nordrhein-Westfalen stärken.

Ideen, Menschen und Institutionen zusammenbringen

Kooperation und Vernetzung sind auch zentrale Anliegen des Vereins Wissensregion Düsseldorf e.V. – denn Innovation entsteht dort, wo unterschiedliche Perspektiven, Kompetenzen und Bedarfe zusammenkommen. Genau hier setzt die Wissensregion Düsseldorf an: Sie macht vorhandenes Wissen sichtbar, vernetzt Akteure und bringt daraus konkrete Projekte hervor. Zielgruppe sind Studierende, Forschende, Auszubildende, Berufstätige und internationale Talente gleichermaßen. „Wir wollen Vernetzung und Sichtbarkeit fördern, Netzwerke knüpfen und als Plattform Schnittstellen zwischen Hochschulen und Wirtschaft identifizieren“, erklärt Projektleiterin Keiko Ito.

Wie das praktisch aussieht, zeigt etwa die Beteiligung am Netzwerk NRW.BANK.Innovationspartner. Dessen Veranstaltungsreihe „MittelstandsMAKERTHON“ bringt Studierende und mittelständische Unternehmen zu Themen wie der digitalen Transformation zusammen. Gerade kleinere und mittlere Unternehmen täten sich oft schwer damit, ihre konkreten Innovationsbedarfe zu formulieren, so Ito. Deshalb setzt die Wissensregion Düsseldorf gemeinsam mit Partnern wie der IHK Düsseldorf auf niedrigschwellige Formate, die Forschung und Mittelstand zusammenbringen. Ein Beispiel dafür ist die Veranstaltung „Düsseldorf Connect: International Students & Local Companies“, die am 2. November internationale Studierende und regionale Unternehmen vernetzen soll.

Auch die IHK Düsseldorf sieht es als ihre Aufgabe, Innovationen von kleinen und mittelständischen Unternehmen von der Idee bis zur Marktreife zu begleiten. Mit Beratungen, Veranstaltungen und Netzwerktreffen bringt die Kammer Investoren, Entwickler und Forschende zusammen. Mittelständler sind häufig inhabergeführte Familienbetriebe ohne eigene Forschungs-und Entwicklungsabteilungen. Umso wichtiger ist es, sie für aktuelle Entwicklungen in Innovation und Digitalisierung zu sensibilisieren und konkrete Anknüpfungspunkte für den eigenen Betrieb aufzuzeigen. Genau hier setzt die IHK mit praxisnahen Formaten wie der Webinarreihe „IHK4KMU:innovativ“ an. „Wir schaffen niedrigschwellige Zugänge zu neuen Technologien und zeigen, wie sie sich im eigenen Unternehmen einsetzen lassen“, erklärt Dr. Nikolaus Paffenholz, Geschäftsführer Unternehmensservice bei der IHK Düsseldorf. Darüber hinaus vermittelt die IHK Kontakte zu Hochschulen, unterstützt beim Schutz geistigen Eigentums und informiert über Förderprogramme. Spezielle Netzwerkformate bringen zudem Investoren und Start-ups mit Unternehmen zusammen – und schaffen so die Basis für neue Kooperationen, Aufträge und Produkte. „Während Start-ups häufig disruptive Innovationen hervorbringen, die etablierte Technologien oder Geschäftsmodelle ablösen, dominieren im Mittelstand eher inkrementelle Innovationen, die Bestehendes weiterentwickeln“, erläutert Paffenholz.

Innovative Gründungsideen auf den Markt bringen

Als zentrale Anlaufstelle für Innovation und Unternehmensgründung an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf unterstützt das CEDUS (Center for Entrepreneurship Düsseldorf) Studierende, Forschende und Alumni dabei, aus Ideen tragfähige Geschäftsmodelle zu entwickeln. Im Fokus steht dabei vor allem die Frage der Marktfähigkeit. „In unserer Beratung geht es darum, zu erkennen, wie sich eine innovative Idee auf den Markt bringen lässt. Dazu gehört es, zu überprüfen, ob es die Technologie oder die Anwendung schon gibt, und wer die Zielgruppe ist, also eher B2B oder B2C“, erklärt Geschäftsführer Dr. Björn Schmitt. Neben Fragen zu Teamaufbau, Finanzierung und Fördermitteln vermittelt das CEDUS Kontakte zu Investoren und begleitet Gründungsteams bei Förderanträgen. „Wir vernetzen mit Investoren, etwa Business Angels, und helfen bei der Antragstellung. Wir verfügen dabei über viel Erfahrung, denn ähnlich wie bei der Forschungsförderung werden solche Anträge über die Universitäten eingereicht“, so Schmitt. Dass aus einer Innovation tatsächlich ein Unternehmen wird, braucht allerdings oft Geduld – insbesondere in Bereichen wie Life Science oder Medizin, wo Zulassungsverfahren die Entwicklung über Jahre verlängern können. Sechs Jahre oder mehr seien dort keine Ausnahme.

Auch mittelständische Unternehmen benötigen häufig Unterstützung, um Innovationen strategisch zu entwickeln und wirtschaftlich erfolgreich umzusetzen. Genau hier setzt Sergej Paveliev an, Senior Manager bei Deloitte und verantwortlich für die Innovationsförderung im Mittelstand. Sein Fokus liegt auf wirtschaftlich tragfähigen Innovationsvorhaben und darauf, Innovationsprozesse systematisch im Unternehmen zu verankern. Dabei versteht er Innovation ausdrücklich als gemeinschaftlichen Prozess. „Gerade in Familienunternehmen, die oftmals durch persönliche Führung geprägt sind, spielt frühzeitige Einbindung der Beschäftigten in Innovationsprozesse eine besondere Rolle, sie ist essenziell für den Erfolg“, erklärt er. Deshalb sei es entscheidend, nicht nur mit der Geschäftsführung, sondern auch mit Bereichsleitern und Fachkräften zu arbeiten, um Herausforderungen und Potenziale wirklich zu verstehen. Mittelständischen Unternehmen empfiehlt Paveliev, gezielt in ihre zukünftige Wettbewerbsfähigkeit zu investieren – durch mehr Resilienz, flexible Prozesse und eine klare Vision mit konkreten Lösungen.


Erstmals erschienen im IHK-Magazin 2/2026 – Teil 2 der dreiteiligen Schwerpunktserie zu Innovation und Technologie.

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