Der Wettbewerb mit China wird für Unternehmen in Nordrhein-Westfalen spürbar härter. Eine aktuelle IHK-Umfrage zeigt: Die Wirtschaft wünscht sich eine geschlossene europäische Antwort – und zugleich bessere Standortbedingungen in Deutschland.
Autor: IHK-Redaktion; © AdobeStock; Stand 08/2026
China ist für die nordrhein-westfälische Wirtschaft ein wichtiger Partner – als Absatzmarkt ebenso wie für Beschaffung und Innovation. Gleichzeitig wächst die Konkurrenz. Und zwar deutlich: 76 Prozent der befragten Unternehmen in Nordrhein-Westfalen nehmen einen zunehmenden Wettbewerbsdruck aus China wahr. Unter den Unternehmen, die nach China exportieren, sind es sogar neun von zehn.
Das zeigt die NRW-Auswertung einer aktuellen bundesweiten IHK-Umfrage. Die Ergebnisse machen deutlich, vor welcher Herausforderung die Unternehmen stehen: Sie sind wirtschaftlich eng mit China verflochten und müssen sich gleichzeitig gegenüber chinesischen Wettbewerbern behaupten.
Zwischen Abhängigkeit und Wettbewerb
China war im Jahr 2025 der zweitwichtigste Importpartner Nordrhein-Westfalens. Entsprechend groß ist die Bedeutung chinesischer Lieferketten für viele Betriebe. Dr. Ralf Mittelstädt, Hauptgeschäftsführer von IHK NRW, verweist darauf, dass zahlreiche Unternehmen auf Vorprodukte, Produkte oder Rohstoffe aus China angewiesen sind – während sie gleichzeitig immer stärker mit chinesischen Anbietern konkurrieren.
Verschärft wird diese Situation durch schwierige Standortbedingungen in Deutschland. Um die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu sichern, braucht es daher beides: faire Bedingungen im internationalen Wettbewerb und einen starken Wirtschaftsstandort im eigenen Land.
Wo Unternehmen besonderen Handlungsbedarf sehen, zeigen auch die Freitextantworten der Befragung sowie frühere Umfragen: insbesondere bei Bürokratie und Genehmigungsverfahren sowie bei Standortkosten, etwa für Energie und Arbeit.
Europa soll mit einer Stimme sprechen
Wie soll Europa auf den wachsenden Wettbewerbsdruck reagieren? Die Unternehmen haben dazu eine klare Erwartung: gemeinsam.
73 Prozent der Befragten halten ein gemeinsames und koordiniertes außenwirtschaftspolitisches Auftreten der Europäischen Union für wichtig. 64 Prozent sprechen sich dafür aus, strategische Abhängigkeiten von China zu reduzieren.
Die Ergebnisse unterstreichen damit die Erwartung an die EU, geschlossen aufzutreten, einseitige Abhängigkeiten zu verringern und gegen nachweisbare Wettbewerbsverzerrungen wirksam vorzugehen.
Dabei geht es nicht um eine Abkehr von China. Für viele Unternehmen bleibt das Land wirtschaftlich von großer Bedeutung. „China bleibt für viele Unternehmen ein wichtiger Absatz-, Beschaffungs- und Innovationsmarkt. Deshalb gilt: Kooperation, wo sie möglich ist, und Durchsetzungsfähigkeit, wo sie notwendig wird“, sagt Ralf Schlindwein, Fachpolitischer Sprecher für Außenwirtschaft bei IHK NRW.
Entschlossener Kurs
Wie groß der Wunsch nach fairen Wettbewerbsbedingungen ist, zeigt ein weiteres Ergebnis: 59 Prozent der Befragten würden handelspolitische Maßnahmen gegen Wettbewerbsverzerrungen auch dann mittragen, wenn das eigene Unternehmen mit negativen Folgen rechnen müsste. Das zeigt eine grundsätzliche Bereitschaft zu einem entschlosseneren europäischen Vorgehen.
Bei der Wahl der Instrumente fällt das Bild allerdings differenzierter aus. Rund ein Drittel der Befragten befürwortet stärkere Handelsschutzmaßnahmen. Knapp ein Viertel setzt dagegen auf den Abbau von Handels- und Investitionshürden.
Für IHK NRW ist das kein Widerspruch. Entscheidend ist vielmehr, beides miteinander zu verbinden: europäische Interessen zu schützen und gleichzeitig bessere Marktzugangsbedingungen zu schaffen.
Grundlage der Ergebnisse ist eine Befragung der DIHK und der IHKs unter ehrenamtlich engagierten Unternehmensvertretern. An der Umfrage vom 20. Juli bis 10. August 2026 beteiligten sich bundesweit 1.325 Unternehmen, darunter 248 aus Nordrhein-Westfalen.
Die Gesamtergebnisse der NRW-Auswertung sind hier zu finden.
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