Lieferkettenmanagement: Neues Netzwerk der IHKs Düsseldorf und Mittlerer Niederrhein

Austausch, Expertenrat und Unterstützung im Dschungel der Regelungen stehen im Mittelpunkt des Netzwerks

Text und Audiobeitrag: Piet Keusen, Fotos: Andreas Endermann
Mit etwa 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmern ist das neue Netzwerk „Nachhaltiges Lieferkettenmanagement“ der IHKs Düsseldorf und Mittlerer Niederhein gestartet. Zum Auftakt drehte sich einen Vormittag lang alles um Lieferketten, Nachhaltigkeit, Menschenrechte, Gesetze und Umweltschutz. Und das nicht nach starrem Stundenplan, sondern flexibel angepasst an die Fragen und Bedürfnisse der Teilnehmende. Obwohl diese aus völlig verschiedenen Branchen kamen, etwa Textil, Maschinenbau, Handel oder auch Metallverarbeitung, fanden die Männer und Frauen schnell viele Gemeinsamkeiten.

„Das Bedürfnis, die Lieferketten robuster zu machen, ist kein Selbstzweck, sondern Kerngeschäft.“

Nina von Radowitz, Head of Corporate Responsibility bei der METRO Group (METRO AG)


Lieferkettenmanagement nicht nur für große Unternehmen

Denn nachhaltiges Lieferkettenmanagement betrifft nicht nur die im Gesetz vorgeschriebenen Unternehmen ab 1000 Beschäftigten, sondern auch deren Zulieferer und damit etwa auch den kleinen mittelständischen Betrieb, der Sorgfaltspflichten einhalten muss. „Eigentlich sogar jeden Menschen“, ergänzte Referentin Nina von Radowitz, Head of Corporate Responsibilty bei der Metro Group (METRO AG), in ihrem Vortrag: „Es klingt pathetisch, aber die Begründung für das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz liegt ja auch darin, die Welt ein Stückchen besser machen zu wollen. Dennoch ist das Bedürfnis, die Lieferketten robuster zu machen, kein Selbstzweck, sondern Kerngeschäft. Wir handeln mit Ressoucren und wenn wir uns nicht darauf verlassen können, dass unsere Ressourcen sicher, sauber, pünktlich, qualitativ hochwertig und sozial- und umweltverträglich hergestellt werden, dann haben wir ein Problem mit unserem Kerngeschäft.“

Austausch, Expertenrat und Unterstützung im Dschungel der Regelungen stehen im Mittelpunkt des Netzwerks
von links: Oliver Wagener (Agentur für Wirtschaft und Entwicklung), Dr. Elke Stoffmehl (IHK Düsseldorf), Prof. Dr. Lisa Fröhlich (ehemals CBS International Business School), Ralf Schlindwein (IHK Düsseldorf), Sebastian Rünz (Taylor Wessing), Richard Wilhelm (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle), Jörg Raspe (IHK Mittlerer Niederrhein), Nina von Radowitz (METRO AG)

Das neue Netzwerk setzen die IHKs Düsseldorf und Mittlerer Niederrhein in Kooperation gemeinsam mit dem Business Scout for Development der Agentur für Wirtschaft und Entwicklung (AWE) in NRW um. Hier sollen vor allem Unternehmen miteinander ins Gespräch kommen und Input von Expertinnen und Experten oder anhand von Fallbeispielen aus der Praxis bekommen. Eine dieser Expertinnen zum Auftakt war Professor Dr. Lisa Fröhlich: „Nachhaltigkeitsthemen können nur miteinander gestaltet werden, daher ist es extrem wichtig, dass sich Unternehmen austauschen. Ohne gemeinsames Wissen ist es schwierig, die Gesetze zu erfüllen.“

Netzwerktreffen: Austauschplattform für Experten und Unternehmen

Deshalb hat die IHK beim Start des Netzwerktreffens voll und ganz den Fokus auf diesen Austausch gelegt. Die Expertinnen und Experten haben in kurzweiligen Vorträgen den Grundstein für die anschließende Diskussion in einem sogenannten World-Café gelegt. Dort kamen vor allem die Teilnehmende ins Gespräch, hat Dr. Elke Stoffmehl von der IHK beobachtet: „Wir wollten ein neues Forum schaffen, in dem sich Unternehmen miteinander unterhalten können. Deshalb haben wir dieses neue Format ausprobiert. Und das Feedback war sehr gut.“

„Die Gelegenheit, sich hier im Netzwerk auszutauschen, die ist Gold wert.“

Frank Hormesch, Fynch-Hatton

Nicht nur Vertreterinnen und Vertreter von großen Unternehmen waren gekommen, sondern auch viele von Mittelständlern. Etwa Frank Hormesch von Fynch-Hatton, einem Kleidungsunternehmen mit etwa 100 Mitarbeitern aus Mönchengladbach: „In der Modebranche sind nachhaltige Lieferketten schon lange ein Thema. Die Frage, die wir uns aber immer wieder stellen, ist: Wie viel ist genug? Wir kennen zwar unsere Partner und besuchen sie oder erstellen einen Code of Conduct. Aber reicht das? Die Frage haben auch Unternehmen aus anderen Branchen. Die Gelegenheit, sich hier im Netzwerk auszutauschen, die ist Gold wert.“

Austausch, Expertenrat und Unterstützung im Dschungel der Regelungen stehen im Mittelpunkt des Netzwerks Lieferkettenmanagement
Großes Interesse bei der Auftaktveranstaltung des Netzwerks Lieferkettenmanagement

Oliver Wagener, Business-Scout der Agentur für Wirtschaft und Entwicklung, ist optimistisch, dass der Austausch unter den Unternehmen viel bewegen kann: „Ich verspreche mir von dem Netzwerk, dass Unternehmen stärker als bisher voneinander über die Anforderungen des nachhaltigen Liefermanagements lernen. Das könnte am Ende des Tages zu besseren sozialen und Öko-Standards in den Ländern führen, in den produziert wird.“

Interviews mit den Beteiligten im Audio-Beitrag

Ziel sei es, das Netzwerk jetzt mit Leben zu füllen, erklärt Jörg Raspe von der IHK Mittlerer Niederrhein: „Wir sind sehr überrascht, wie gut das Treffen angenommen worden ist, und wie gut die Gespräche waren. Wir wollten ja den Austausch fördern und das hat schon gut geklappt. Beim nächsten Treffen werden wir andere Schwerpunkte setzen. Wir freuen uns auf jedes Unternehmen, das mitmacht.“  Drei Folgeveranstaltungen des IHK-Netzwerks „Nachhaltiges Lieferkettenmanagement“ sind in diesem Jahr noch geplant, die nächste am 4. Juli. Der Ort steht zwar noch nicht fest. Notiert hat ihn sich Yvonne Löffler-Das, vom Baumaschinenhersteller Kumatso aus Düsseldorf trotzdem bereits: „Ich fand das Netzwerktreffen hervorragend, die Referenten waren sehr gut und ich habe sehr viel von den Erfahrungen der anderen Unternehmen. Ich komme wieder.“


Mehr über die Aktivitäten der IHK Düsseldorf im Bereich Internationales

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