Text: André Schmidt-Carré, Grafik: Rüdiger Trebels

Einfache Formen Künstlicher Intelligenz (KI) bestimmen bereits heute den Alltag von Konsumenten, oft unbemerkt im Hintergrund: Unternehmen wie Amazon oder Zalando nutzen KI um Kunden ähnliche Produkte vorzuschlagen, ihre Algorithmen überprüfen die Bonität von Bestellern, und smarte Lagersysteme vereinfachen die Logistik. KI ist also auf dem Vormarsch. Bislang orientiert sie sich an den Fähigkeiten der Menschen, künftig soll sie sogar klüger sein.

„Wir haben in Düsseldorf und im Kreis Mettmann einen großen industriellen Kern.“

Dr. Stefan Schroeter, IHK Düsseldorf

So wie KI bereits heute beim Online-Shopping den Einzelhandelsverkäufer ersetzt, könnte es künftig vielen Menschen ergehen. Davor warnt zumindest Glenda Quintini, Forscherin der OECD in Paris: „In den kommenden 10 bis 15 Jahren könnten Roboter 18 Prozent aller Arbeitnehmer in Deutschland ersetzen.“ Für weitere 36 Prozent der Arbeitnehmer würde sich ihr Arbeitsalltag drastisch ändern. Unternehmen setzen KI zurzeit vor allem in Bereichen ein, die sich leicht automatisieren lassen. Das sind insbesondere Jobs in der Fertigung oder der Logistik. Arbeitsbereiche, in denen auch Düsseldorfer Unternehmen stark sind. „Wir haben in Düsseldorf und im Kreis Mettmann einen großen industriellen Kern “, sagt Dr. Stefan Schroeter von der IHK Düsseldorf. „Unternehmen der Schlüsselregion in und um Velbert, Maschinenbau, Chemie und Metallverarbeitung haben hier eine große Bedeutung.“

KI als Chance

Genau das sind Branchen, die sich durch KI zukünftig verändern werden – und in denen sich damit aber auch Chancen für Unternehmen bieten, neue Jobs zu schaffen. Dieser Meinung ist Barbara Weißenberger, Leiterin einer Forschungsgruppe zur Künstlichen Intelligenz an der Heinrich-Heine Universität in Düsseldorf: „Dank Künstlicher Intelligenz entstehen viele neue Arbeitsplätze, die sich meist an hochqualifizierte Arbeitskräfte richten – beispielsweise an Wissenschaftler, Ingenieure oder Informatiker.“ Positive Effekte hat KI aber auch auf Jobs mit niedriger beruflicher Qualifikation. Zum Beispiel in der Produktion: Wenn an einer Maschine ein Problem auftaucht, könnte der Mitarbeiter mit einer Virtual Reality Brille direkt ins Innere schauen und das Problem identifizieren.

Weiterbildung ist das A und O

Was Arbeitnehmer für den Umgang mit KI lernen müssen, erfahren sie im Onlinekurs „Elements of AI“, einem kostenlosen Weiterbildungsangebot der deutschen Industrie- und Handelskammern. Dieser Kurs zeigt, welche neuen Berufe dank KI entstehen und wie Unternehmen und Arbeitnehmer sich darauf einstellen können. „Weiterbildungen sind der Schlüssel, um sich auf den Wandel durch Künstliche Intelligenz vorzubereiten“, sagt IHK-Experte Schroeter. „Es ist wichtig, dass Unternehmen ihren Mitarbeitern die Angst nehmen. Die Vorbehalte gegenüber Künstlicher Intelligenz sind groß und oft nicht berechtigt.“
Künstliche Intelligenz gilt derzeit als wichtigster Technologietreiber. Das Bundesarbeitsministerium hat aktuell im Rahmen der KI-Strategie der Bundesregierung eine KI-Prüfstelle eingerichtet, die die Entwicklung von Technologien beobachten, Risiken benennen und wo nötig Leitlinien definieren soll. Denn KI verändert viele sicherheitsrelevante Bereiche in Unternehmen und im Alltag: man nehme nur das autonome Fahren oder Sprachsteuerungen. Zudem soll es beispielsweise auch um die Mitspracherechte von Arbeitnehmern gehen: Denn wenn das eigene Unternehmen Künstliche Intelligenz einsetzt, wollen sie sicher nicht außen vor bleiben.

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