René Heinersdorff: Mein Corona-Jahr 2020

Serie: Unternehmerinnen und Unternehmer aus dem IHK-Bezirk berichten, wie sie mit Corona umgehen und welche Hoffnungen und Erwartungen sie jetzt haben

Text: Dagmar Haas-Pilwat, Foto: Andreas Endermann

„Die letzten Monate erlebe ich auch als Blockade im Hirn“, sagte René Heinersdorff, der Mann, der drei Theater führt, Regisseur, Autor und Schauspieler ist, wenn er nach seinen Erfahrungen im vergangenen Jahr gefragt wird. Die durch den Lockdown gewonnene Zeit „ging drauf für den Entwurf von Szenarien (um nicht untätig zu sein), die am nächsten Tag Makulatur waren“, so der 57-Jährige.
Für das Allroundtalent der deutschen Boulevard-Szene „wiegt es schwer, dass das hart gewonnene Vertrauen der Menschen durch die neuen Maßnahmen im November wieder zerstört werden“. Er habe in seinen Theatern 50.000 Euro für Corona-Prävention investiert. Wofür eigentlich? Die größte Herausforderung sei es, die Theater in ihrer Struktur zu erhalten. „Als politischen Torpedo gegen besseres Wissen“, wertete der 57-Jährige pauschale Gleichsetzung von Hotspots mit Theatern und Konzertsälen.

„Kultur lebt auch von denen, die hart auf Kante genäht sind“

Auf die Frage: „Wie schaffen Sie es, positiv zu bleiben?“, reagierte er geradezu allergisch: „Wie kommen wir dazu, in unserem abgesicherten Land, bei einer Krankheit, die bedauerlicherweise einige wenige hart trifft, der Auffassung zu sein, es bedarf besonderer Anstrengung, positiv zu bleiben? Die Ärgernisse, die man angesichts der politischen Entscheidungen empfindet, können mir nicht meine positive Grundeinstellung rauben.“
Obschon Heinersdorff die Zeit nutzte, um Etliches auf den Prüfstand zu stellen, sieht er die Krise nicht zwingend als eine Chance. „Als ob erst Krisen Indikatoren für Lebensfähigkeit wären. Kultur lebt auch von denen, die hart auf Kante genäht sind. Und das ist gut so.“ Was sind denn seine Strategien, um die Psyche zu stärken? „Kochen, gutes Essen, nicht zu viel Alkohol trinken, in die Natur zu gehen, natürlich Sport.“ René Heinersdorff freut sich darauf, irgendwann wieder einer intelligenten Frau mit offenem Lachen begegnen zu können.

Steckbrief

Name: Réne Heinersdorff
Alter: 57
Unternehmen: Theater an der Kö (gegr. 1994), Theater im Rathaus (gegr. 1990), Theater am Dom (gegr. 1955)
Herausforderung durch Corona: Dem unnötigen, durch die Politik verursachten Vertrauensverlust bei den Zuschauern entgegen zu wirken
Lösung bisher: Aufklärungsarbeit, dass er auf dem Standpunkt steht, dass Infektionen und Aerosolbildungen in Theaterräumen nicht möglich sind, sowie Bemühungen um Fördergelder.

Ebenfalls in der Serie „Mein Corona-Jahr 2020“:

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