Claudia Hoferer (links) und Nicole Albrecht führen seit Anfang des vergangenen Jahres die traditionsreiche Buchhandlung Dietsch in Benrath.

Text: Daniel Boss, Fotos: Unternehmen

Hoffnungsschimmer für die Buchhändler: Sie gehören zu jener Gruppe, die ihre Läden wieder öffnen dürfen. „Natürlich freuen wir uns darüber, denn gerade in unserem Geschenkbereich haben wir einen starken Rückgang“, sagt Dagmar Westphal von Werstenbuch im namengebenden Stadtteil. Solche Artikel seien in der Regel „Lustkäufe“ – die gebe es nur, wenn der Kunde im Laden sei. Nach dem ersten Tag der Wiedereröffnung zieht Marc Westphal dieses Resümee: „Wir haben sehr gut zu tun und alle sind wirklich gut gelaunt und genießen es, wieder ein bisschen zu shoppen. Unsere Kunden sind absolut diszipliniert und halten sich brav an die Markierungen.“ Von diesem umsichtigen Verhalten berichtet auch Kollegin Nicole Albrecht, die gemeinsam mit Claudia Hoferer die traditionsreiche Buchhandlung Dietsch in Benrath führt – seit Dienstag steht das Geschäft wieder offen. Maximal zehn Kunden dürfen gleichzeitig im Laden sein. Insbesondere die Stammkunden freuen sich mit den beiden Unternehmerinnen. Ein passionierter Leser brachte gar eine Flasche Schampus mit. Auch der Umsatz stimmte in den ersten Stunden, berichtet Nicole Albrecht.

Ablenkungslektüre ist gefragt

Und welche Bücher sind in der Krise gefragt? Viele Düsseldorfer lesen zurzeit „Ablenkungslektüre“. Das hat das Dietsch-Duo in den vergangenen Wochen festgestellt. Auf dem Nachttisch oder der Sofakante liegen demnach verstärkt Werke zu hochkomplexen Themen, da die Menschen in der Corona-Krise „die Zeit dafür haben“, wie Nicole Albrecht sagt. Die Mehrheit lasse sich aber eher durch Kurzweiliges in Buchform unterhalten – und ablenken. Die „Top 10“ der Buchhandlung umfassen unter anderem das neue Sachbuch „Düsseldorf – 55 Highlights aus der Geschichte“, „Spiegel und Licht“, den lange erwarteten Finalband der „Cromwell“-Trilogie, und einen „Longseller“ von Delia Owens: „Der Gesang der Flusskrebse“.
Viele Titel werden vom erfahrenen Betreiber-Duo auf Instagram und Facebook beworben. Unter dem Hashtag #zuhausemitdietsch wird zudem jeden Tag eine Neuerscheinung aus den verschiedenen Genres vorgestellt.

„Alle Bestellungen wurden durch uns in die Viertel der Umgebung geliefert“

Claudia Hoferer, Buchhandlung Dietsch

Am ersten Tag der Pandemie-bedingten Schließung des Geschäfts hatte man bei Dietsch auf „Versandbuchhandel“ umgestellt. Heißt: „Alle Bestellungen wurden durch uns in die Viertel der Umgebung geliefert“, erklärt Claudia Hoferer. Das sind, neben Benrath, unter anderem Itter, Himmelgeist, Garath und Urdenbach. Auch nach Hilden, Erkrath und Langenfeld gingen schon Bücher. „Wir haben einen Kunden, der mit seinem Lasten-E-Bike für uns unterwegs war. Die weiter entfernten Ziele haben wir mit dem Auto angefahren.“ Zum Bestellen können der bewährte Online-Shop sowie WhatsApp, E-Mail, Social-Media-Kanäle und das „gute alte Telefon“ genutzt werden.
Marc und Dagmar Westphal aus Wersten wollen den Lieferdienst definitiv weiterhin anbieten. „Wir gehen davon aus, dass das Lieferaufkommen deutlich geringer wird, aber trotzdem noch genutzt wird beziehungsweise nötig ist“, sagt Marc Westphal. In Benrath gibt es kostenlose Lieferungen weiterhin für Risikogruppen. „Wir kennen jetzt viele Blumentöpfe, hinter denen wir Bücher abgelegt haben, Mülltonnenhäuschen, Ihre Nachbarn – und danken für Ihr Vertrauen und Ihre Unterstützung“, heißt es auf der Webseite der Buchhandlung Dietsch.

Marc und Dagmar Westphal von „Werstenbuch“ wollen den Lieferdienst weiterhin anbieten.

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