Frank Wiehoff, Geschäftsführer des Restaurants „Kleine Schweiz“ (links) und sein Sohn Jonas Wiehoff.

Text: Jürgen Grosche, Fotos: Unternehmen

Keine Gäste, aber laufende Kosten – wochenlang mussten sich Kneipen- und Restaurantinhaber, Hoteliers und Veranstalter mit dieser bitteren Realität auseinandersetzen. Die Folgen sind drastisch, wie IHK-Blitzumfragen zeigen, zum Beispiel vergangene Woche unter fast 300 Betrieben aus Düsseldorf und dem Kreis Mettmann. Bei zwei Dritteln ist die Nachfrage nach Produkten oder Dienstleistungen deutlich zurückgegangen. Rund ein Fünftel berichtet von einem kompletten oder fast vollständigen Stillstand ihrer geschäftlichen Tätigkeit – darunter viele Restaurants und Hotels. Nur weniger als 15 Prozent der befragten Betriebe hoffen auf eine Rückkehr zur geschäftlichen Normalität noch im ersten Halbjahr. 20 Prozent erwarten diese bis Ende September, weitere 16 Prozent erst im vierten Quartal. Insbesondere die Gastronomie erwartet eine Rückkehr zur geschäftlichen Normalität trotz weiterer Lockerungen frühestens im kommenden Jahr. Erste gibt es ja nun. Können die Maßnahmen die Unternehmen retten? Und wie gehen sie mit der Corona-Krise um? Ein paar Beispiele aus der Praxis.

„Die Umsätze reichen um Längen nicht ans normale Geschäft.“

JONAS WIEHOFF, KLEINE SCHWEIZ

Einige Gastronomen begrüßen die neuen Möglichkeiten. „Die Auflagen sind für uns in unserer Lage gut umzusetzen, erfordern aber eine gute Planung“, sagt Jonas Wiehoff vom Restaurant „Kleine Schweiz“ in Velbert-Tönisheide, ein Familienbetrieb in vierter Generation. „Aber da geht es uns ja nicht alleine so. Wir werden für uns ein Hygienekonzept entwickeln und sind dann ab Mittwoch hier am Start.“ Zuvor hatte das Restaurant wie auch andere Betriebe den Abhol- und Lieferservice entdeckt, um zumindest ein wenig Geschäft zu machen. Die Mahlzeiten zum Mitnehmen wurden „recht gut angenommen, gerade am Wochenende“, sagt Wiehoff. Die Umsätze reichten aber „um Längen nicht“ ans normale Geschäft, schränkt der Koch aus der Eigentümerfamilie ein. Den Wegfall von Kommunionen, Konfirmationen und Hochzeiten gerade im Frühjahr hole man nicht mehr auf. Das Unternehmen musste die Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken. Die „Kleine Schweiz“ beschäftigt acht Vollzeit- und fünf Teilzeitkräfte, dazu noch Aushilfen.

„Wir freuen uns mit unseren Kunden, dass der Betrieb nun wieder starten konnte.“

FLORIAN SÜSS, WASSERSKIANLAGE IN LANGENFELD

„Wir freuen uns mit unseren Kunden, dass der Betrieb nun wieder starten konnte“, sagt auch Florian Süß von der Wasserskianlage in Langenfeld. Die Seilbahnen, die ebenso wie das Restaurant Seehaus still standen, sind wieder aktiviert. „Wir haben alles so organisiert, dass die Besucher in den Warteschleifen die Abstände einhalten.“ Jetzt hoffen die Betreiber, dass die Kunden wiederkommen. „Die Stammgäste sind die ersten am Start“, sagt Süß, der bedauert, dass die Anlage den Jahrhundert-April verpassen musste. „Wir hoffen auf die Anfänger und vielleicht auch schon auf die eine oder andere Schulklasse“, sagt Süß.

Die Wasserskianlage Langenfeld gilt in normalen Zeiten als Traumziel von Wassersportlern und Ausflüglern.
Foto: Wasserski Langenfeld

Normalerweise besuchen 500 Klassen pro Jahr das Sportzentrum. „Aber wir haben ja ein großes Gelände, auf dem sich die Besucher verteilen können“, betont der Geschäftsführer. Das Restaurant öffnet ebenfalls wieder. 58 festangestellte Mitarbeiter waren in Kurzarbeit. „Wir hoffen, sie nach und nach wieder beschäftigen zu können“, sagt Süß, aber das hänge von der Auslastung ab. „Zudem warten 200 Aushilfskräfte darauf, dass sie wieder etwas tun können.“ Während des Stillstandes konnte das Unternehmen ein paar Einnahmen im Großhandel mit Wakeboards generieren. „Die Händler haben die Ware noch abgenommen.“ Und das Geld der Saison- und Jahreskarten war noch da. „Wir haben die Gültigkeit um den Zeitraum verlängert, den wir pausieren mussten.“

„Wir werden weiterkämpfen.“

ALEXANDER ZIMMER, MARIENBURG MONHEIM

Die neue Lockerungsphase erinnert Alexander Zimmer, Geschäftsführer der Marienburg Monheim, an die Gründung des Tagungs- und Eventhauses: „Wir fangen jetzt wieder bei Null an wie 2011.“ Man müsse einen unternehmerischen Neustart leisten, habe ganz neue, schlechtere betriebswirtschaftliche Grundlagen und müsse neue Kunden gewinnen. Gleichzeitig fragt sich Zimmer, wie die Lage in drei oder sechs Monaten aussieht. Gibt es dann wieder in einen Shut-Down – dann wäre all der Aufwand vergeblich gewesen – oder geht das Infektionsgeschehen gänzlich zurück? Das Haus machte vor der Krise 85 Prozent des Umsatzes von rund 2,5 Millionen Euro im Jahr mit Geschäftskunden. Rund 300 Tagungsgäste besuchten die Marienburg im Durchschnitt pro Woche.

Vor Corona beherbergte die Marienburg im Durchschnitt 300 Gäste in der Woche.
Foto: Marienburg

Für die Corona-Zeit hat das Unternehmen bereits ein Tagungskonzept angeboten, das infektionsgeschützte Tagungen, Seminare oder Hochzeiten in der Marienburg ermöglicht. Die Marienburg versucht, mit weiteren Angeboten Kunden zu halten, zum Beispiel mit dem Verkauf von Grill- und Picknick-Paketen. Zimmer sieht noch ein Problem: „Eigentlich ist jetzt ein anderer Mitarbeiter-Typus gefragt als bislang in der Gastronomie. Statt mit Kontaktfreude aktiv die Gäste anzusprechen, sollen die Mitarbeiter jetzt Distanz wahren und roboterhaft vorgehen.“ Dennoch gibt Zimmer nicht auf: „Wir werden weiterkämpfen. Aber es ist eine maximale unternehmerische Herausforderung.“

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