Von Susan Tuchel, Fotos: Unternehmen

Herzblut hat jede Familie in das Unternehmen gesteckt. Vor 125 Jahren war es die aus dem Weserland stammende Familie Wilhelm Wölfer, die die 1892 gegründete Druckerei übernahm. Im Jahr 1900 zog die Druckerei auf der Kaiserstraße in ein größeres Gebäude, ein Schreibwarengeschäft kam hinzu. Im Ersten Weltkrieg wurde die Druckerei von den vorgerückten Engländern geschlossen. 1930 starb Wilhelm Wölfer, zwei seiner Söhne übernahmen die Druckerei.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde der Verlag der Haaner Volkszeitung eingestellt und mit dem offiziellen Redaktionsteil des Völkischen Verlages weitergedruckt. Die zwangsbewirtschaftete Druckerei blieb weitgehend von Bombenangriffen verschont, so dass sie Lebensmittelmarken drucken konnte. 1957 übernahm Heinrich Schatzberg mit Ehefrau Ilse, geborene Wölfer, in dritter Generation die Druckerei. Das Unternehmerehepaar verpasste Ende der 1970er Jahre jedoch den Anschluss an die technische Entwicklung, die Geschäfte gerieten in eine Schieflage.

Wölfer Druck wird modern

1980 kaufte Martin Leithäuser die Haaner Traditionsdruckerei Wilhelm Wölfer e.K. Der gelernte Bankkaufmann aus Wuppertal hatte zehn Jahre in Düsseldorf gearbeitet und dort die technische Seite des Druckens gelernt. „Gedruckt wird immer“, sagte sich der Geschäftsmann und baute das Unternehmen in den folgenden Jahrzehnten zu Wölfer Druck + Media aus. Dem Namen des Firmengründers blieb er treu, ließ auch dessen Schreibtisch für die Eingangshalle liebevoll restaurieren und machte den Wolf zum Firmentier und Markenzeichen.

Martin Leithäuser stellte zunächst auf die neue Offsettechnik um. Die Geschäfte liefen gut, das Papier musste teilweise auf dem Firmenhof gelagert werden. Ein neuer Standort musste her. „Am 1. Juni 1984 wurde unser Sohn Philipp geboren und am selben Tag bekam ich die Genehmigung, das Grundstück im Gewerbegebiet Haan kaufen zu können. Das war ein guter Tag“, erzählt Leithäuser. Ein Jahr später zog das Unternehmen in die neu errichteten Gewerberäume. Dann ging es Schlag auf Schlag: 1986 wurde das Druckgeschäft um die Produktion von Werbemitteln aus Papier erweitert. Seitdem können Kunden Kalender-, Notiz- und Schreibpapiere in Auftrag geben. Das Geschäft florierte, man baute an und expandierte. 1997 führte Leithäuser eine eigene Druckvorstufenabteilung ein.

Heute wird in dem Unternehmen mit modernsten Maschinen gearbeitet.

Heute arbeiten 30 Mitarbeiter auf insgesamt 3.300 Quadratmetern. Mit der Übernahme des Sonnenkalender Verlags im Jahr 2015 mussten noch weitere Räume angemietet werden. Mittlerweile hat auch die Stabsübergabe stattgefunden von der ersten zur zweiten Generation. Seit 2017 führt Sohn Philipp das Unternehmen. Die Heidelberger Druckmaschinen, der Geruch von Papier und von frischen Druckfarben sind ihm seit Kindesbeinen vertraut. In den Ferien verdiente er sein Taschengeld im elterlichen Betrieb, ging zum BWL-Studium nach München, schrieb seine Masterarbeit im Betrieb und stieg 2011 mit ein.

Unter seiner Ägide hat Wölfer Druck + Media weitere digitale Quantensprünge gemacht. „Wir haben einen Workflow und eine automatisierte Lettershop-Verarbeitung installiert“, so Philipp Leithäuser. Neben Print-Werbemitteln wie Kalendern, Notizbüchern, Ordnern, Kugelschreibern und Bürohelfern können Kunden ihre Onlineshops komplett hierhin outsourcen inklusive Lagerhaltung und Logistik. Als Full-Service-Dienstleister für Design, Print und Logistik verbindet das Unternehmen traditionelles Handwerk mit modernen Print- und Onlinetechnologien. Kunden, die für ihre Produkte werben möchten, bekommen von der Image- und Produktfotografie, die im eigenen Fotostudio erstellt werden kann, von Corporate Design und Logoentwicklung bis hin zum Druck und Versand alles aus einer Hand.

Nachhaltig drucken

Ganz ohne Emissionen lässt sich nicht drucken, aber man kann viel für die Umwelt tun. Alle Treibhausgasemissionen werden in Zusammenarbeit mit Climate Partner durch die Investition in international anerkannte Klimaschutzprojekte und den Erwerb von Emissionszertifikaten ausgeglichen. „Unsere Kunden drucken bei uns klimaneutral, unser Papier ist vom Forest Stewardship Council (FSC) zertifiziert und die Energie für den Druckprozess erzeugen wir inzwischen zu 35 Prozent mit unseren Photovoltaikanlagen“, bilanziert Leithäuser. Nachhaltig gefeiert wurde auch. Zum Firmenjubiläum lud das Haaner Unternehmen Kunden und Lieferanten im Oktober in den Lokschuppen nach Erkrath-Hochdahl zum Frühschoppen ein. Über 150 Gäste folgten der Einladung. „Der Zeit voraus – seit 1894“ lautete das Motto. Für Philipp Leithäuser ist das auch die Maxime seines unternehmerischen Handelns. Er hat die Entwicklungen und Neuerungen wie auch vor ihm sein Vater stets im Blick: „Der Druckmarkt ist ein anderer. Von einem schrumpfenden Markt ist in den nächsten Jahrzehnten jedoch nicht auszugehen, denn bedrucken lässt sich fast alles.“

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