Açelya Akyol (rechts) mit Monika Breuer, IHK Düsseldorf, und Bernd Hartung, Ausbilder bei Tünkers.

Text: Lothar Schmitz, Fotos: Wilfried Meyer

Deutschland ist derzeit ein Land ohne Veranstaltungen. Zumindest in nennenswerter Größe dürfen seit vielen Wochen keine Messen, Konzerte und andere Großveranstaltungen stattfinden – und es könnte weitere Monate dauern, bis es wieder so weit ist. Für die vielen Unternehmen der Veranstaltungsbranche sind es ganz schlechte Zeiten. Und auch für junge Leute, die sich für eine Ausbildung in dieser Branche interessieren, etwa als „Veranstaltungskaufmann/-frau“.
Açelya Akyol ist eine von ihnen. Die 20-Jährige machte in Düsseldorf ihren Realschulabschluss und wechselte dann ans Wirtschaftsgymnasium. „Nach dem Abschluss wollte ich unbedingt Veranstaltungskauffrau werden“, erzählt Akyol. Frühzeitig nahm sie mit der IHK Kontakt auf, bereits 2019 nahm sie an einem IHK-Azubi-Speeddating teil.

„Es ist wichtig, einen Plan B zu haben.“

Monika Breuer, IHK Düsseldorf

Gemeinsam mit Monika Breuer, Ausbildungsberaterin der IHK Düsseldorf im Projekt „Passgenaue Besetzung“, startete Akyol Anfang 2020 die Suche nach einer passenden Ausbildungsstelle. Dann kam Corona.
Schnell zeichnete sich ab, dass es mit einem Ausbildungsplatz in der Veranstaltungsbranche schwierig werden könnte. „Das war mir zu unsicher“, sagt die 20-Jährige, die vor wenigen Wochen ihr Fachabitur machte. „In solchen Fällen ist es wichtig, einen Plan B zu haben“, betont Monika Breuer. Sie stellte Akyol vergleichbare Ausbildungsberufe vor und schnell wurde klar: „Industriekauffrau“ würde sie ebenso reizen.

Passgenau vermittelt

Und so lernte sie die Tünkers Maschinenbau GmbH kennen. Das Familienunternehmen in Ratingen zählt 360 Beschäftigte und hat sich auf Automationstechnik spezialisiert. Die Produkte des weltweit aktiven Unternehmens kommen unter anderem im Rohkarossenbau für die Automobilbranche zum Einsatz.
Für Tünkers ist die Corona-Krise bisher genau das: eine Krise, die es zu meistern gilt. Der zwischenzeitliche Stillstand in der Fahrzeugherstellung etwa bescherte dem Unternehmen erhebliche Umsatzeinbußen. Dabei wurden Aufträge immerhin nicht storniert, wohl aber verschoben. „Corona hat für eine größere wirtschaftsmäßige Delle gesorgt“, sagt Bernd Hartung, der im Unternehmen für die Ausbildung von derzeit 17 Azubis verantwortlich ist, „aber wir sind zuversichtlich“.

„Ausbildung rechnet sich.“

BERND HARTUNG, TÜNKERS

So zuversichtlich, dass die Firma im jetzt beginnenden neuen Ausbildungsjahr sogar vier neue Azubis beschäftigen möchte. Der Grund: „Ausbildung rechnet sich“, weiß Hartung, „man bekommt schon während der Ausbildung einen Gegenwert. Und erst recht danach, denn um dem Fachkräftemangel vorzubeugen, ist Ausbildung im eigenen Betrieb das Beste!“ Deshalb sucht Tünkers auf verschiedenen Kanälen interessierte junge Leute – auch über die Ausbildungsvermittlung der IHK.

Ausbildungshelden gesucht

Açelya Akyol wollte eigentlich Veranstaltungskauffrau werden, jetzt steht sie kurz vor ihrem Ausbildungsstart zur Industriekauffrau bei Tünkers in Ratingen.

„Das Ausbildungsengagement von Tünkers ist ein gutes Beispiel“, sagt IHK-Ausbildungsberaterin Breuer. „Auch in Krisenzeiten blicken je nach Branche viele Unternehmen zuversichtlich in die Zukunft und wissen, dass sie auch weiterhin auf gute Fachkräfte angewiesen sind.“
Dennoch habe die Corona-Krise für erhebliche Verunsicherung auf beiden Seiten geführt. Viele Unternehmen hätten ihre Ausbildungsakquise unterbrochen, viele junge Leute nicht gewusst, ob sie sich überhaupt bewerben können. Besonders kritische Branchen wie Hotellerie, Gastronomie oder Veranstaltungswesen verfielen zeitweise in eine Art Schockstarre. „Die ist aber definitiv vorbei“, beobachtet Breuer, „aktuell sind viele Jugendliche und viele Unternehmen auf der Suche. Wir helfen gerne, sie zusammenzubringen!“

Rund 800 freie Ausbildungsplätze

Dazu startete die IHK vor wenigen Wochen auch die Kampagne „Ausbildungshelden gesucht!“ Denn wegen Corona hat sich die Besetzung von Lehrstellen um einige Wochen verschoben, immer noch sind im IHK-Bezirk Düsseldorf nahezu 800 Ausbildungsstellen unbesetzt.
Eine gibt es auch noch bei Tünkers in Ratingen, drei konnte das Unternehmen indes besetzen. Açelya Akyol freut sich auf ihren Ausbildungsstart. „Schon beim Bewerbungsgespräch habe ich gespürt, dass dort eine sehr nette Atmosphäre herrscht“, erzählt die junge Düsseldorferin.
Im Sinne der aktuellen IHK-Kampagne ist sie eine Ausbildungsheldin. „Weil sie sich trotz der Corona-Krise nicht hat einschüchtern lassen“, unterstreicht Monika Breuer, „weil sie sich frühzeitig gekümmert hat und weil sie flexibel ihren Berufswunsch an die Möglichkeiten angepasst hat.“

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