Starke Reden, reger Austausch: Beim ersten Jahresempfang der IHK Düsseldorf im Kreis Mettmann war spürbar, wie groß der Bedarf nach Austausch in der wirtschaftlich starken Region ist. Unter dem Eindruck der jüngsten Wahlergebnisse und hybrider Bedrohung lautete der Tenor: Wir packen die Probleme gemeinsam an, jetzt erst recht.
Autorin: Gesa van der Meyden; © Andreas Endermann; Felix Gemein; Melanie Zanin; Stand 09/2026
Es lag eine Art gespannte Erwartung in der Luft: Hunderte Unternehmerinnen und Unternehmer, Menschen aus Politik und Verwaltung sowie uniformierte Vertreterinnen und Vertreter von Polizei und Feuerwehr waren anlässlich des ersten Jahresempfangs der IHK Düsseldorf im Kreis Mettmann in die Kulturraffinerie K714 in Monheim gekommen. Das zu einer modernen Veranstaltungshalle umgebaute ehemalige Fabrikgebäude bot eine beeindruckende und passende Kulisse für eine Region, die stark von industriellen Branchen wie Maschinen-, Anlagebau und Schließtechnik geprägt ist.
Für Angelika Renate Sänger, Inhaberin eines nach ihr benannten Immobilien-Unternehmens aus Langenfeld, war so ein Format überfällig. „Ich bin froh, dass es im Kreis Mettmann nun ein Treffen dieser Art gibt, damit sich die regionalen Akteure enger austauschen können. Die IHK bildet hier eine wichtige Schnittstelle, und ich hoffe sehr, dass daraus ein regelmäßiges Event wird. Wir haben große Aufgaben vor uns. Darum bin ich gespannt, inwieweit die Reden heute auf die jüngsten politischen Ereignisse eingehen“, sagte die Unternehmerin.
„Vieles wird schlechter geredet, als es ist“
Im großen Veranstaltungssaal setzte das Kyiv Symphony Orchestra, deren Mitglieder auf Einladung der Stadt Monheim derzeit dort leben und arbeiten, den Ton. Nicht nur die leicht melancholischen Klänge zur Begrüßung, auch ihre bloße Anwesenheit erinnerte daran, dass wir in schwierigen Zeiten leben, in denen Krieg in Europa herrscht und insbesondere vom Aggressor Russland, aber auch anderen Akteuren eine reale Bedrohung ausgeht. Auch die jüngsten Wahlerfolge der AfD bei den Landtagswahlen, die ihre Nähe zu Russland und ihre Ablehnung einer pluralistischen Gesellschaft offen zur Schau stellt, prägten das allgemeine Gefühl an diesem Abend.

Andreas Schmitz, Präsident der IHK Düsseldorf, der gemeinsam mit Landrätin Dr. Bettina Warnecke das Programm mit einem kurzen Dialog eröffnete, drückte es so aus. „Wir befinden uns in einer Pulverfabrik, in der rauchen erlaubt ist.“ Die Wahlergebnisse bereiteten vielen Menschen Sorgen, deshalb gelte es nun umso mehr, zusammenzuhalten. „Wir brauchen eine wehrhafte Demokratie und eine Politik, die Reformen umsetzt und Investitionen fördert. Wir brauchen einen besseren Schutz kritischer Infrastruktur und sollten noch stärker für die duale Ausbildung werben, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Vieles wird schlechter geredet, als es ist. Mit Mut können wir die Herausforderungen meistern.“



„Ich kann meine Rede nicht so halten, wie sie geplant war“
Bettina Warnecke erinnerte daran, dass der Kreis Mettmann eine wirtschaftlich starke Region ist, aus der 38.600 der rund 103.000 Unternehmen des IHK-Kammerbezirks stammen, und dass sich darunter mehrere Hidden Champions, also in ihrem Bereich weltweit führende Unternehmen, befinden. „Das bedeutet eine hohe Steuer- und Kaufkraft. Außerdem verfügen wir trotz der dichten Besiedelung unserer Region über ein umfangreiches Freizeitangebot und viel grüne Natur, was den Standort umso attraktiver für potenzielle Arbeitgeber macht.“ Darum müsse die Politik die Bedürfnisse der Wirtschaft „mitdenken“. Es handele sich „nicht bloß um Gewerbesteuerzahler, sondern aktive Mitgestalter unseres Lebensraums.“
Die Betonung der Standortvorteile, die tolle Kulisse der mit hochmoderner Technik ausgestatteten Kulturraffinerie, die Mitglieder des Orchesters, die hier Zuflucht fanden – all das zeigt, wie gut es uns vergleichsweise geht, und wie häufig wir darüber hinwegsehen. Herbert Reul, Innenminister des Landes NRW, legte zu Beginn seiner geplanten Rede mit dem Titel „Innere Sicherheit: Die Bedeutung des staatlichen Sicherheitsversprechens in der heutigen Zeit“ erstmal seinen Zettel beiseite und sprach frei zum Publikum. „Ich kann meine Rede nicht so halten, wie es geplant war, nicht nach Sachsen-Anhalt“, sagte der CDU-Politiker und bezog sich auf den Erdrutschsieg der AfD, die in dem östlichen Bundesland nur knapp die absolute Mehrheit verfehlte.
Feiern wir die Demokratie, feiern wir alles, was gut läuft in diesem Land
Er sei 74 Jahre alt, und er habe das große Glück gehabt, diese Zeit ohne Krieg in Deutschland erlebt zu haben. Die Menschen hätten den Staat erfunden, um in Sicherheit zu leben, und wenn sich alle an die Regeln hielten, könne der Staat dieses Versprechen auch einlösen. „Die meisten tun das, sind fleißig, kümmern sich umeinander“. Dennoch habe das Vertrauen der Menschen in die Politik einen historischen Tiefstand erreicht. Das treibe ihn um. „Wir können Vertrauen zurückgewinnen, wenn wir Probleme klar benennen, Menschen zuhören und Schritt für Schritt an Lösungen arbeiten. Das geht vielleicht nicht immer schnell, führt aber dazu, dass sich Menschen wieder ernstgenommen fühlen.“
Die Bedrohungslage sei heute eine völlig andere als noch vor wenigen Jahren. „Nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine hat alles zugenommen: Propaganda, Fake News, Cyberangriffe, Bedrohung der kritischen Infrastruktur, potenzielle Gefahren durch künstliche Intelligenz. All dem müssen wir begegnen, etwa, indem wir Unternehmen mehr Befugnisse geben, sich auf ihrem Grundstück gegen Drohnenangriffe zu verteidigen.“ Absolute Sicherheit und einfache Lösungen gebe es nicht. „Aber wir können die Herausforderungen gemeinsam angehen und dürfen sie nicht den Scharlatanen überlassen. Feiern wir die Demokratie, und feiern wir alles, was gut läuft in diesem Land“, sagte er zum Abschluss unter großem Applaus.


Wichtigste Plattform dieser Art im gesamten Kreis
Was dieses Land unter anderem auszeichnet – die Fähigkeit zur Kooperation und die Bereitschaft, Kompromisse zum Wohl der Allgemeinheit zu schließen – betonten auch die IHK-Regionalbeauftragten für den Kreis Mettmann, Nadia Mohseni und Marcus Stimler. „Wir sind jeden Tag in der Region unterwegs, um die Interessen der Wirtschaft gegenüber Verwaltung und Politik zu vertreten, und erleben dabei viel gegenseitiges Verständnis“, sagte Mohseni. Marcus Stimler betonte die Bedeutung dieses Abends. „Wir möchten das im kommenden Jahr wiederholen, und wir möchten, dass der IHK-Jahresempfang zur wichtigsten Plattform dieser Art im gesamten Kreis wird.“

Lars Kleffner, Inhaber des Umzugsunternehmens August Bertram GmbH & Co. KG in Hilden, würde in jedem Fall wiederkommen. „Es ist ein interessanter Austausch über wirtschaftliche und politische Themen, und ich bin froh, dass diese Veranstaltung geschaffen wurde. Das Team der IHK hier ist sehr aufgeschlossen, und der allgemeinen Stimmung, nicht bloß zu jammern, sondern gemeinsam anzupacken, schließe ich mich gern an.“






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