Wie kommen Unternehmen an gut ausgebildete Fachkräfte, ohne auf dem angespannten Arbeitsmarkt suchen zu müssen? Darum geht es in einer kostenfreien Webinarreihe zum Thema Teilqualifikationen (TQ) – mit Terminen für unterschiedliche Branchen bis Ende September.
Autorin: Natascha Plankermann, Stand: 16. September 2026
Bis vor kurzem stand er als ungelernte Hilfskraft im Lager, sortierte Paletten und half beim Verladen. Heute ist der Mitarbeitende auf dem besten Weg zum Fachlageristen – Modul für Modul, ohne dafür seinen Job aufzugeben oder noch einmal von vorne anzufangen. Möglich wird diese schrittweise Entwicklung durch eine Teilqualifikation (TQ): ein Instrument, mit dem sich ein Ausbildungsberuf in planbare Etappen nachholen lässt. Wie das im Detail funktioniert, zeigte eine Webinarreihe, die mit dem Thema „Teilqualifikationen in der Logistikbranche“ startete. Das Prinzip lässt sich auf viele Branchen übertragen, in denen Fachkräfte fehlen und gleichzeitig viele an- oder ungelernte Mitarbeitende im Betrieb arbeiten. Deutschlandweit engagieren sich 76 IHKs für das Thema und koordinieren das TQ-Angebot in ihrer Region – auch die IHK Düsseldorf ist dabei.
So funktioniert eine TQ
Eine Teilqualifikation zerlegt einen anerkannten Ausbildungsberuf in mehrere Module, die einzeln absolviert werden. Für den Fachlageristen sind das zum Beispiel Wareneingang, Lagerung, innerbetriebliche Logistik und Kontrolle sowie Kommissionierung, Endkontrolle und Versand. Jedes Modul erstreckt sich im Schnitt über vier bis sechs Monate. Am Ende steht jeweils eine Kompetenzfeststellung bei der zuständigen IHK. Wer besteht, bekommt ein IHK-Zertifikat, das sofort auf dem Arbeitsmarkt zählt, auch wenn der komplette Berufsabschluss noch nicht erreicht ist. Hat er alle Module eines Berufs durchlaufen und danach die Abschlussprüfung bestanden, steht schließlich ein vollwertiger Berufsabschluss in seinem Lebenslauf. Um Fachlagerist zu werden, benötigt man fünf Module – und mit zwei ergänzenden kann man sich sogar zur Fachkraft für Lagerlogistik weiterqualifizieren.
Breite Zielgruppe
TQ richten sich an Erwachsene ab 25 Jahren – ganz gleich, ob sie bereits einen Berufsabschluss haben oder nicht, ob sie fest angestellt, arbeitslos oder arbeitssuchend sind. Es ist auch gleich, ob sie schon Berufserfahrung mitbringen oder gerade erst einsteigen. Dadurch wird das Instrument für Unternehmen interessant: Statt auf dem umkämpften Arbeitsmarkt nach rar gewordenen Fachkräften zu suchen, können die Betriebe ihre bereits vorhandenen Teams gezielt weiterentwickeln oder auch neue Mitarbeitende Schritt für Schritt einarbeiten und qualifizieren.
Eine TQ wird so konzipiert, dass sie sich gut in den Betriebsalltag einbauen lässt. Üblicherweise entfallen zwei Drittel der Zeit auf die Fachtheorie bei einem Bildungsträger, ein Drittel auf die praktische Verzahnung im Unternehmen. Im Alltag wird das Procedere individuell abgestimmt – bei Schichtbetrieb oder saisonalen Spitzen kann ein Modul dann auch mal etwas länger dauern, wenn dafür der Betrieb weiterläuft.
Die IHK Düsseldorf hilft ihren Mitgliedsunternehmen dabei, einen passenden Bildungsträger zu finden, und begleitet den gesamten Prozess bis zur Kompetenzfeststellung. Es gibt auch größere Unternehmen, die weiter gehen und selbst zum Bildungsanbieter werden: Der Autobauer Opel etwa qualifiziert eigene Mitarbeitende per TQ zu Berufskraftfahrenden oder Servicefahrenden und hat die Ausbildung dafür an die eigenen Abläufe angepasst.
Die Arbeitsagentur fördert
Da Teilqualifikationen als eine abschlussorientierte Weiterbildung gelten, können sie gefördert werden. Je nach Betriebsgröße übernimmt die Bundesagentur für Arbeit einen Teil oder die vollen Lehrgangskosten und zahlt Arbeitsentgeltzuschüsse. Seit April 2024 gibt es außerdem das neue Qualifizierungsgeld nach Paragraf 82a SGB III für Betriebe im Strukturwandel. Für Unternehmen bedeutet das: Die Investition in die eigene Belegschaft ist überschaubar – und kann sich langfristig doppelt auszahlen. Nicht nur dadurch, dass sich die Zahl der qualifizierten Fachkräfte erhöht, sondern auch, weil Mitarbeitende eine interessante Perspektive im Betrieb sehen. Wer heute noch als Hilfskraft im Lager steht, kann so in ein paar Jahren selbst neue Kolleginnen und Kollegen einarbeiten – mit einem anerkannten Abschluss in der Tasche.
Weitere Termine für HOGA, Handel und Industrie
Die Webinarreihe zu Teilqualifikationen geht weiter, nämlich am 24. September für Metall und Industrie.
Wer sich informieren oder anmelden möchte, findet hier mehr Informationen.
Weitere Infos rund um das Thema Teilqualifikationen finden Sie auch auf unserer Website.




