Vor drei Jahren wurde das Gastro-Großevent Chefs in Town ins Leben gerufen. Seitdem hat es sich bundesweit zu einem festen Treffpunkt der Gastro- und Hospitality-Szene entwickelt. Doch wie weit ist Düsseldorf dem bereits 2024 formulierten Ziel nähergekommen, sich mithilfe des Festivals und der zweitägigen Fachmesse für neue Gastro-Konzepte, der Rolling Pin Convention, als Gastronomie-Hauptstadt Deutschlands zu positionieren?
Autorin: Dagmar Haas-Pilwat; © IHK Düsseldorf / Andreas Endermann; Stand 09/2026
Zum Auftakt der dritten Ausgabe von Chefs in Town mit Veranstaltungen in mehr als 100 Betrieben und rund 100 Stars der Branche kamen auf Initiative der IHK Düsseldorf Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Wirtschaft zusammen, um eine erste Zwischenbilanz zu ziehen. Im Mittelpunkt des von Marion Hörsken, Geschäftsführerin der IHK Düsseldorf, moderierten politischen Branchentreffs im smoney-hub der Stadtsparkasse Düsseldorf stand die Frage: Was hat die Vision bereits bewegt – und welches Potenzial steckt noch in ihr?
Einig waren sich die Diskussionsteilnehmer – Oberbürgermeister Stephan Keller, Stefan Dahm, Vorstandsvorsitzender der Stadtsparkasse Düsseldorf, Yvonne Bollow vom Metro-Konzern sowie Kerstin Rapp-Schwan, Gastronomin und Vizepräsidentin der IHK Düsseldorf – darin, dass Chefs in Town sichtbar macht, wie vielfältig die Düsseldorfer Szene ist: vom Fine Dining bis zur Büdchenparty. Ebenso unstrittig war die Bedeutung der Gastronomie für Wirtschaft, Gesellschaft und Zusammenhalt.
Kerstin Rapp-Schwan bezeichnete sie als „Zukunftsbranche“: „Denn wir werden immer analog essen und schlafen.“ Eine lebendige Gastronomie sei für Düsseldorf ein wesentlicher Standortfaktor. „Wir sind keine Stadt, die auf einer Bucketlist steht, und wir versuchen nicht, Paris oder New York zu sein“, sagte Oberbürgermeister Stephan Keller. Stattdessen wolle Düsseldorf die Stärke der Branche nutzen und damit punkten, Menschen zusammenzubringen.



Nordrhein-Westfalens Gastrohauptstadt
„Auf jeden Fall sind wir nicht nur Landeshauptstadt, sondern schon die Gastrohauptstadt von Nordrhein-Westfalen und auf einem guten Weg, auch die Deutschlands zu werden“, erklärte der Oberbürgermeister. In Düsseldorf gebe es mehr Restaurants pro Einwohner als in Köln und doppelt so viele Kneipen wie im NRW-Durchschnitt. Dabei stimme nicht nur die Quantität: Auch Qualität und Vielfalt seien außerordentlich. Für jeden Geschmack und Geldbeutel sei etwas dabei – von der Pommes bis zur Auster.
Doch was braucht es, um die Gastronomie und ihre Stärken weiterzuentwickeln – mit Blick auf die Attraktivität der Innenstadt, die Anziehungskraft des Wirtschaftsstandorts sowie die Gewinnung von Gästen und Fachkräften? Bessere Rahmenbedingungen, vor allem weniger Bürokratie, mehr Wertschätzung für die Branche und mehr Nachwuchs: Darin waren sich The Duc Ngo, Spitzenkoch und Multigastronom aus Berlin, Agatha Reul von Agata’s, Cornelia Baumgart vom Rubens – Das österreichische Restaurant und Selim Varol von What’s Beef einig.
Die vier Vertreterinnen und Vertreter sehr unterschiedlicher Gastronomie-Konzepte berichteten von ihren persönlichen Erfahrungen – und davon, wie konkret sie von Chefs in Town profitieren.
„Unsere Sichtbarkeit steigt enorm“
„Köche und Gäste von überall kommen hierher. Wir können uns austauschen und netzwerken, uns inspirieren lassen und selber Neues bewegen. Die Sichtbarkeit steigt enorm, wir sind im Gespräch – und das bundesweit“, sagte Sterneköchin Agatha Reul, die erstmals mit dem internationalen Stargast, dem Briten Jameson Stocks, zusammen gekocht hat.
Auch für kleinere Betriebe eröffnet das Format Möglichkeiten, die im Alltag nur schwer zu realisieren sind. „Wir als kleines Unternehmen können nicht viel reisen und neue internationale Ideen aufsaugen. Umso wichtiger und wertvoller ist dieses Wochenende im September für uns. Viele Gäste sprechen uns auf dieses Event an und kommen jedes Jahr wieder“, betonte Cornelia Baumgart.
Gastronomie als Verbindungselement
Duc Ngo aus Berlin, seit 27 Jahren im Geschäft, blickt nach eigenen Worten nicht nur neidisch auf Düsseldorf und seine Gastro-Offensive, sondern wünscht sich auch, dass sich deutlich mehr Städte dieser Initiative anschließen.
Wie wichtig dabei die Außenwirkung ist, betonte Selim Varol, der vor zwölf Jahren als Quereinsteiger in die Branche gestartet ist. Gerade die Social-Media-Kanäle von Chefs in Town und Rolling Pin seien für die Sichtbarkeit von unschätzbarem Wert. „Durch solche Events entwickeln wir uns weiter. So bieten wir erstmals geschlossene Veranstaltungen mit Reservierung an. Denn ich bin davon überzeugt, dass gerade in diesen Zeiten ein ruhiges, gesetztes Essen hilft, Menschen miteinander zu verbinden.“
Auch Cornelia Rubens hob diese verbindende Funktion der Gastronomie hervor. „Wir sind doch alle Gastgeber“, sagte sie. Sie selbst bildet vier Azubis aus. „Zu uns kommen die Gäste aus allen Kulturen, um sich verwöhnen zu lassen und Familienfeste zu feiern – was für ein Privileg.“
Neben Sichtbarkeit, Austausch und neuen Impulsen ging es bei der Diskussion jedoch auch um die Rahmenbedingungen für die Branche. Weniger Bürokratie wünschten sich alle, die Düsseldorfs Gastro-Zukunft aktiv mitgestalten. „In keinem Land gibt es derartige Kontrollen wie bei uns“, hieß es.
Gleichzeitig wurde ein Unterschied zwischen Düsseldorf und anderen Standorten deutlich. Während Duc Ngo in Berlin die Unterstützung durch Politik und Behörden vermisst, werde die Zusammenarbeit in Düsseldorf anders erlebt. Hier halte die Branche zusammen. Initiativen wie Chefs in Town und Rolling Pin als Düsseldorfer Alleinstellungsmerkmal zu etablieren, sei ein Gemeinschaftswerk vieler Beteiligter – darunter DEHOGA, IHK und Stadt Düsseldorf.
„Unsere Aufgabe ist es zu ermöglichen, dass die Gastronomie weiter Erfolg hat“, sagte Oberbürgermeister Stephan Keller.
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