Text: Werner Grosch, Foto: Fotolia

Dass die Corona-Krise gerade den Luftverkehr hart getroffen hat, ist lange bekannt. Wie hart aber, zeigen ein paar Zahlen, die Vertreter von Flughafen Düsseldorf, der Airline Eurowings und dem Reiseveranstalter Schauinsland am 17. Juni in einem gemeinsamen Pressegespräch mit IHK-Hauptgeschäftsführer Gregor Berghausen offenbarten. Aktuell liege man bei etwa zehn Prozent des Flugaufkommens im Vergleich zur selben Zeit des Vorjahres, sagte Thomas Schnalke, Vorsitzender der Geschäftsführung der Flughafen Düsseldorf GmbH. Diese zehn Prozent seien aber immerhin schon das Fünffache dessen, was man noch vor wenigen Wochen verzeichnete. Von ähnlichen Einbrüchen berichtete Jens Bischof, CEO von Eurowings: In der schlimmsten Zeit habe die Airline von ihren 140 Flugzeugen noch ganze neun im Einsatz gehabt.

Dazu passen die Daten von Gerald Kassner, Inhaber und Geschäftsführer der Schauinsland Reisen GmbH. 300.000 Reisen habe der Veranstalter schon allein wegen der weltweiten Reisewarnung abgesagt, noch einmal so viele wurden storniert. Und das, nachdem das Unternehmen mit einem Rekordwert von 1,6 Millionen Kunden ins Jahr gestartet war, einem Plus von 30 Prozent gegenüber 2019.

„Billig allein wird dem Kunden nach Corona nicht mehr reichen“.

Jens Bischof, CEO von Eurowings

Einig waren sich die Branchenvertreter darin, dass die schlimmste Zeit wohl vorbei sei – eine weitere günstige Entwicklung bei den Infektionszahlen vorausgesetzt. Für die bevorstehenden Sommerferien rechnen sowohl Flughafen als auch Veranstalter damit, wenigstens 30 Prozent des normalen Volumens erreichen zu können. Aktuell ziehe die Nachfrage für Ziele wie Griechenland, die Kanaren und die Balearen deutlich an, berichtete Kassner. Die Lufthansa-Tochter Eurowings hat ihrerseits kürzlich schon die Zahl der Flugzeuge im Einsatz mehr als verdoppelt und rechnet damit, im Juli rund 6.000 Flüge durchführen zu können.Dass alles wieder so wird wie es einmal war, erwartet indes keiner der Beteiligten. Der Markt werde nicht bloß kleiner, sondern werde sich massiv verändern, Eurowings-Chef Bischof vor allem mit Blick auf das Kundenverhalten. „Billig allein wird dem Kunden nach Corona nicht mehr reichen“, meint Bischof. Es brauche gänzlich neue Konzepte. Nach Ansicht von Flughafenchef Schnalke bedeutet dies auch, dass die verschiedenen Akteure der Branche mehr kooperieren müssen, damit der Kunde „von der Haustür bis zum Ziel die ganze Reise sicher und gesund“ absolvieren könne. Das Vertrauen ins Fliegen müsse erst wiederhergestellt werden. Dafür will Eurowings zum Beispiel Komfortempfinden und Hygiene dadurch steigern, dass Passagiere künftig wählen können, ob der Mittelplatz neben ihnen frei bleiben soll. Das werde man nicht kostenlos, aber zu einem fairen Preis anbieten, sagte Bischof. Veranstalter Kassner erwartet ebenfalls Veränderungen im Kundenverhalten, etwa bei der Nachfrage nach Club-Urlauben mit relativ großer Nähe unter den Reisenden.

„Der Düsseldorfer Airport hat extrem gute Rahmenbedingungen für die Zukunft“.

IHK-Hauptgeschäftsführer Gregor Berghausen

Insgesamt schaut die Branche aber recht positiv in die Zukunft. Eine Sichtweise, die IHK-Hauptgeschäftsführer Berghausen bestärkte. Der Flughafen werde auch in Zukunft dringend gebraucht, sagte er unter anderem mit Verweis auf die rund 15.000 ausländischen Unternehmen im Kammerbezirk, die viele Destinationen haben wollten, die dann auch regelmäßig bedient werden. Auch bei verstärkter Digitalisierung müssten viele „werthaltige Kontakte“ weiterhin persönlich stattfinden. Für die Zukunft, so Berghausen, habe gerade der Düsseldorfer Airport „extrem gute Rahmenbedingungen“.