Text: Jürgen Grosche, Fotos: Messe Düsseldorf, Ansgar van Treeck

Die Corona-Krise trifft die Messe Düsseldorf und zahlreiche Dienstleister hart. Im ersten Halbjahr dieses Jahres läuft fast nichts – dabei standen so viele Veranstaltungen im Kalender. Nur zwei Beispiele: Die Interpack, die international bedeutendste Veranstaltung der Verpackungsbranche, wäre im Mai mit rund 3.000 Ausstellern aus etwa 60 Ländern komplett ausgebucht gewesen. Vor drei Jahren lockte sie mehr als 170.000 Besucher an. Und zur Drupa, der wichtigsten Plattform für die globale Printbranche, erwartete man im Juni rund 1.800 Aussteller aus 50 Nationen.

Leere statt Gewusel

Doch seit März sieht man leere Hallen statt Gewusel an Messeständen. Allein im ersten Halbjahr wurden in Düsseldorf neun Weltleitmessen verschoben. Das trifft die Messegesellschaft massiv. Sie werde „wie viele andere Unternehmen ihre Prognose für das Geschäftsjahr 2020, das als eines der zyklisch erfolgreichsten geplant war, extrem stark nach unten korrigieren“, sagt Werner M. Dornscheidt, der Vorsitzende der Geschäftsführung.
Damit steht die Messegesellschaft vor ähnlichen Aufgaben wie viele in der Wirtschaft. Es geht darum, Szenarien durchzuspielen, mit Kunden und Partnern neue Termine zu finden und Planungssicherheit zu schaffen. „Die Interpack und Drupa zum Beispiel benötigen allein ein Zeitfenster von nahezu zwei Monaten inklusive Auf- und Abbau“, erklärt Dornscheidt. Die bereits bestehenden hohen Sicherheits- und Hygienestandards auf dem Düsseldorfer Messegelände müssen laufend an die aktuellen Erkenntnisse angepasst werden. Die Mitarbeiter sind möglichst im Home-Office tätig und während der Osterferien hatte die Messe eine zweiwöchige Betriebsruhe. Die Regelung galt für alle Mitarbeiter der Messe Düsseldorf und Düsseldorf Congress.

Neustart mit dem Caravan Salon?

Immerhin kann man nun ein wenig nach vorne schauen. „Mit Blick auf die Messen des zweiten Halbjahres 2020 beobachten wir aufmerksam die derzeitige Entwicklung und stehen hierzu in direktem Austausch mit den Behörden“, sagt der Messechef. Fachmessen und Fachkongresse sollen laut Ankündigung der Landesregierung NRW ab Juni wieder möglich sein, Großveranstaltungen aber erst ab September. Deswegen wurde der Caravan Salon, die weltgrößte Messe für Reisemobile und Caravans, um eine Woche verschoben, sie soll am 5. September beginnen. Es wäre die erste größere Ausstellung auf dem Messegelände. Andere Großveranstaltungen wie Drupa und Interpack wurden ins nächste Jahr verschoben.
Das alles trifft natürlich viele Unternehmen rund um die Messe. „Viele Dienstleister leiden sehr darunter“, weiß Ina Kamphausen, Fachreferentin bei der IHK Düsseldorf. Betroffen sind zum Beispiel Messebauer, Hotels, Gastronomen und Caterer, Taxiunternehmen, der Flughafen, aber auch Veranstalter von Kongressen und anderen Events. „Düsseldorf ist ein starker Messestandort“, sagt IHK-Volkswirt Gerd Helmut Diestler. Deswegen bremst das Aus der Messen auch zum Beispiel die Rheinbahn oder das Leben in der Düsseldorfer Altstadt aus.

„NRW ist ein von Geschäftsreisen geprägtes Land.“

Thorsten Hellwig, Dehoga

Die Gastronomie und Hotellerie spürt die Effekte massiv, wie Thorsten Hellwig, Pressesprecher des Branchenverbandes Dehoga, erklärt: „NRW ist ein von Geschäftsreisen geprägtes Land. Das gilt insbesondere für die Rheinschiene und die Messe-Hotspots Köln und Düsseldorf.“ Hotels hätten normalerweise eine hohe Auslastung auch durch die Messegäste, was wiederum auf den Einzelhandel und die Gastronomie ausstrahle. Besonders betroffen sei der Catering-Bereich, denn neben der Versorgung auf den Messen fänden auch viele Veranstaltungen im Umfeld der Messe statt, die nun ausgefallen seien.
Das spürt zum Beispiel das Familienunternehmen Stockheim, Partner der Messe Düsseldorf mit dem Congresscenter und der Stadthalle sowie Pächter der Rheinterrasse. Aber Geschäftsführerin Margret Stockheim schaut nach vorn: „Es wird Zeit, dass es weitergeht. Wir sitzen in den Startlöchern und hoffen auf weitere Lockerungen. Jetzt freuen wir uns erst einmal auf den Caravan Salon, der am 5. September startet.“

Auch die Konferenzsäle sind derzeit verwaist.

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