Text und Interview: Jürgen Grosche, Fotos: Paul Esser

Beim Bau der Autobahnbrücke der A 1 bei Leverkusen wirken die Spezialtiefbauer ebenso mit wie beim S-Bahn-Tunnel Erdinger Ringschluss bei München und an zahlreichen anderen Großbaustellen: Die Spezialisten des bundes- und europaweit tätigen Unternehmens Stump-Franki Spezialtiefbau GmbH sichern Baugruben und Gebäude, rammen kleine oder große Bohrpfähle in den Boden, die später Lasten tragen, bauen Fundamente. Vielfältige und verantwortungsvolle Tätigkeiten also, die einer soliden Ausbildung bedürfen.
Als ein Tochterunternehmen der Porr GmbH & Co. KGaA mit Sitz in München und Teil des Porr-Konzerns mit Sitz in Wien erbringt Stump-Franki eine Bauleistung (Umsatz) pro Jahr in Höhe von rund 150 Millionen Euro und beschäftigt zurzeit circa 660 Mitarbeiter. „Tendenz steigend“, sagt Harald Friedrich, kaufmännischer Regionalleiter West. Entsprechend wichtig nimmt das Unternehmen die Ausbildung. In der Region West lernen neben vier Auszubildenden im kaufmännischen Bereich und einem Tiefbaufacharbeiter fünf junge Männer gerade den Beruf des Spezialtiefbauers.

Ausbildung in der Praxis

Die Ausbildung dauert drei Jahre und alle haben die Chance, übernommen zu werden. Einer von ihnen ist Oguzhan Aksu. Im September begann der 18-Jährige seine Ausbildung bei dem Unternehmen in Langenfeld. Schon jetzt arbeitet er auf den Baustellen mit. Von Beginn an sollen die Nachwuchskräfte die Praxis kennenlernen, erklärt Friedrich. So weiß der junge Azubi bereits, was eine Hochdruckinjektion ist oder wie man bei Gussrammpfählen die Pfahlansatzpunkte einmisst.

Auszubildenden bei der Stump-Franki Spezialtiefbau GmbH: Oguzhan Aksu (links) mit seinen Kollegen Marc Kaufmann und Christoffel Biedebach.

Auf den Betrieb aufmerksam wurde Aksu erstmalig bei einem Vortrag, in dem Friedrich in der Düsseldorfer Fritz-Henkel-Schule das Unternehmen vorstellte, und dann noch ein weiteres Mal beim Azubi-Speed-Dating der IHK Düsseldorf. Das sei eine äußerst wichtige Initiative, um möglichen Nachwuchs kennenzulernen, sagt Christoffer Biedebach. Der Bauleiter betreut zusammen mit dem Oberbauleiter Marc Kaufmann die Auszubildenden bei Stump-Franki.

Ein echter Knochenjob

Die Werbetrommel rühren für den Beruf des Spezialtiefbauers und über die Chancen und Herausforderungen aufzuklären ist allen drei Verantwortlichen wichtig. „Einige Bewerber machen einen Rückzieher, wenn sie genauer erfahren, um was es geht“, bedauert Friedrich. Zudem sei die Abbrecherquote hoch. Daher informieren die Spezialisten mögliche Interessenten genau über das, was sie erwartet: Montagetätigkeiten auf Baustellen im ganzen Land. „Das ist ein Knochenjob, man ist viel draußen und viel unterwegs“, sagt Friedrich.

Was macht die Ausbildung zum Spezialtiefbauer zu etwas Besonderen?

Genau das schätzt Oguzhan Aksu aber: „Wer kann schon sagen: Ich war gerade drei Wochen zum Beispiel in Berlin?“ Auch zum Besuch der Berufsschule muss der Lehrling reisen – ins niedersächsische Bad Zwischenahn. Für den Beruf gibt es nur zwei Berufsschulen in Deutschland. „Am Anfang war das alles für mich gewöhnungsbedürftig“, sagt Aksu. „Aber jetzt habe ich mich eingelebt.“ Immerhin biete die Schule tolle Freizeitmöglichkeiten vom Fußball bis zur Sauna. „Es hat mich einfach gereizt, mal von zu Hause wegzugehen, andere junge Menschen kennenzulernen und mein eigenes Brot zu verdienen.“

Teamplayer gesucht

Für den Betrieb bleibt es eine Herausforderung, immer wieder so motivierte junge Menschen zu finden. „Spezialtiefbauer müssen gute Teamplayer sein“, sagt Marc Kaufmann. Das schließt Pünktlichkeit ein. Fehlt einer, können die anderen nicht anfangen. Und so musste Oguzhan Aksu auch schon mal sehr früh losfahren, damit er pünktlich auf der Baustelle war. Doch der Einsatz lohnt sich. „Spezialtiefbauer haben bei uns viele Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten“, sagt Kaufmann. Sie können es zum Geräteführer, Vorarbeiter, Werkpolier oder Polier bringen, der in etwa dem Handwerksmeister entspricht. Auch beim Gehalt können sich die Spezialtiefbauer sehen lassen. Im ersten Ausbildungsjahr bekommen sie 850 Euro pro Monat, im zweiten 1.200 Euro und im dritten schon 1.475 Euro.
Bislang ist der Spezialtiefbauer noch ein reiner Männerberuf. „Wir würden uns freuen, wenn sich auch Frauen bewerben“, betonen die Ausbilder, wohl wissend, dass es auf dem Fachkräftemarkt immer enger wird. Immerhin kann das Unternehmen mit seinem Ruf punkten: „Wir haben einen sehr guten Namen“, sagt der Regionalleiter.

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