Matthias Palmer, Geschäftsführender Gesellschafter des Familienunternehmens Plein, hat für sein Unternehmen neue Wege gesucht.

Text: Werner Grosch, Fotos: Andreas Endermann

Seit fast 70 Jahren versorgt Plein Elektro Düsseldorf und die Region mit Elektrogeräten für Betriebe, Büros und Haushalt. Am 17. März 2020 war plötzlich Schicht: Das Einzelhandelsgeschäft auf der Nettelbeckstraße musste für mehr als sieben Wochen schließen. Kunden, die bis dato in dem Ladenlokal hochwertige Leuchten aussuchen oder sich ein Ersatzteil an der Endverbrauchertheke holen konnten, mussten plötzlich draußen bleiben. Warten, bis Corona vorbei ist, war keine Option. „Also haben wir unseren Onlineshop, den wir bisher fast nur zur Warenpräsentation genutzt hatten, deutlich ausgebaut, die Bestellung per Mail oder Telefon ermöglicht und angefangen, die Kunden direkt zu beliefern“, berichtet Matthias Palmer, Geschäftsführender Gesellschafter des Familienunternehmens Plein.

Eine Aktion mit Erfolg, denn die Zahl der Online-Bestellungen stieg auf das Drei- bis Vierfache. Zum Schutz aller Beteiligten ließ Palmer nur keine Haushaltsgeräte mehr beim Kunden anschließen, und die Ware wurde von Lagermitarbeitern verladen, so dass die Fahrer selbst kaum noch persönlichen Kontakt haben mussten. Den neuen Bestell- und Lieferservice für Endkunden will Plein nun auf jeden Fall beibehalten, auch nach Wegfall aller Einschränkungen. „Es hat sich gezeigt, dass gerade viele Berufstätige diese Möglichkeit gerne nutzen, weil sie wenig Zeit haben. Statt bei einem Online-Riesen bestellen sie aber nun lieber bei uns, denn sie wissen, dass sie hier auch Beratung bekommen“, sagt Palmer.

Unbeschadet durch die Krise

Das Unternehmen mit seinen rund 60 Mitarbeitern konnte mit diesen neuen Konzepten Kurzarbeit vermeiden. Wenn es keinen weiteren Lockdown gebe, dann sei Plein tatsächlich unbeschadet durch die Krise gekommen, ja teilweise habe man sogar ein Umsatzplus verzeichnet, berichtet der Geschäftsführer. Das hat vor allem damit zu tun, dass der Großhandel stets offenbleiben durfte und sogar musste: Er wurde als systemrelevant eingestuft, weil Plein auch Zulieferer der Düsseldorfer Stadtwerke ist. Und in der wichtigen Großhandels-Sparte habe es sogar Zuwächse gegeben, gar eine „extreme Steigerung“ der Bestellungen aus dem Handwerk. Denn viele Betriebe, darunter zum Beispiel ein Elektroinstallationsbetrieb aus Düsseldorf der die Eventhallen in der Stadt betreut, nutzten die Pause für größere Baumaßnahmen, die im laufenden Betrieb kaum möglich sind. „In der Mitsubishi Electric Halle wurde zum Beispiel die komplette Beleuchtung auf LED umgestellt, und die Leuchten hängen teils in zehn Metern Höhe, das dauert Wochen“, berichtet Palmer. Auch bei der Sanierung von Schulen sei vieles plötzlich schneller gegangen als üblich. Dank dieser Entwicklung konnten Mitarbeiter aus dem Einzelhandel für die Dauer der Ladenschließung in der Großhandelssparte arbeiten.

Mit den nötigen Hygienemaßnahmen funktioniert auch die Beratung

Von alldem hat das 1952 begründete Traditionsunternehmen Plein kurzfristig profitiert. Ob diese geballten, vorgezogenen Aufträge dann aber eine Delle nach sich ziehen werden, ist offen. Genauso wie die Frage, ob die Endverbraucher in gleicher Zahl zurückkommen wie vor der Corona-Zeit. Klar ist dagegen: Das Unternehmen hat aus der Krise gelernt und mit dem ausgebauten Online-Geschäft einen neuen Weg der Kundenbindung entwickelt. Dass Homeoffice zumindest in der Verwaltung sehr gut funktioniert und manchen Mitarbeitern gerade bei der Kinderbetreuung helfen kann, ist eine weitere wichtige Erkenntnis.

Kurioser Verkaufsschub

Ein ganz klein wenig geholfen hat in der Krise kurioserweise auch der zeitweilige Mangel an Schutzmasken, die Plein eigentlich nicht im Sortiment hat. In einer ZDF-Sendung wurde eines Abends vorgeführt, dass sich aus Staubsaugerbeuteln gut wirksame Masken selbst herstellen ließen, speziell aus Beuteln der Marke SEBO. Und da Plein einer der wenigen Händler ist, die diese Marke im Programm haben, lagen am nächsten Morgen Bestellungen für rund 3.000 Staubsaugerbeutel vor.


Anm. d. Red.: Durch die Coronakrise stand das Wirtschaftsleben keuchend, auf seinen Knien gestützt, an der roten Ampel. Jetzt kann man als Unternehmerin oder Unternehmer darauf warten, dass die Ampel wieder auf Grün springt. Oder man gibt sich mit der Warteposition nicht zufrieden und geht in Aktion! Wir zeigen Menschen, die aktiv geworden sind und exemplarisch für viele stehen. Und wir haben Vertreterinnen und Vertreter der Wirtschaft gebeten, uns ihre Einschätzung zu diesen Aktivitäten zu geben.

Corona-Best-Practice? Nachgefragt bei Dr. Andre Carls, Commerzbank AG

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Für Dr. Andre Carls, Mitglied der Geschäftsleitung Privat- und Unternehmerkunden West der Commerzbank AG, ist Plein Elektro ein gelungenes Beispiel für die schnelle und hohe Anpassungsfähigkeit von Unternehmen.

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