Integration: Ausbildung als Königsweg

Unternehmen bleiben auch in der Pandemie engagiert

Majd Othman flüchtete 2016 aus Syrien – und hat nach erfolgreicher Ausbildung bei der Internetagentur KM2 eine berufliche Heimat gefunden.

Text: IHK-Redaktion, Foto: Paul Esser

Wie gut funktioniert die Integration geflüchteter Jugendlicher in den Arbeits- und Ausbildungsmarkt? Antworten gibt das bundesweite Netzwerk Unternehmen integrieren Flüchtlinge. Zum fünften Mal in Folge hat es seine Mitgliedsunternehmen zur aktuellen Situation der Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten befragt. 410 der rund 2.600 Betriebe des Netzwerks, größtenteils kleine und mittelständische Unternehmen, haben an dieser Online-Befragung teilgenommen.

„Viele junge Geflüchtete sind inzwischen bei den Unternehmen fest angestellt“

Rachid El Mellah, IHK-Willkommenslotse

Die aktuelle Umfrage zeigt: Die zentralen Motive der Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten bleiben die Übernahme sozialer Verantwortung und der Fach- sowie Hilfskräftemangel. Entsprechend ist die Ausbildung ist die häufigste Form der Beschäftigung von Geflüchteten. Und das erfolgreich. Immer mehr Auszubildende mit Fluchthintergrund werden nach bestandener Prüfung auch als Fachkraft übernommen. Eine Erfahrung, die auch Rachid El Mellah, Willkommenslotse der IHK Düsseldorf, immer wieder macht: „Viele junge Geflüchtete, die vor rund fünf Jahren im IHK-Bezirk Düsseldorf angekommen sind, haben inzwischen ihre Ausbildung beendet und sind bei den Unternehmen fest angestellt.“
Dabei lassen sich die Unternehmen von der Corona-Krise nicht bremsen. Auch wenn die Integration Geflüchteter durch die Pandemie zusätzliche Herausforderungen gebracht hat, haben neun von zehn Betrieben noch im selben Jahr reagiert, um trotz Kontaktbeschränkungen Geflüchtete auszubilden.

Herausforderungen bleiben

Schwierigkeiten in der Berufsschule und komplizierte Verfahren werden von den Unternehmen als größte Herausforderungen bei der betrieblichen Integration von Geflüchteten bewertet. Als zunehmend schwierig schätzen Betriebe sprachliche Hürden, mangelnde Vorkenntnisse der Geflüchteten und die Einschätzung der vorhandenen Qualifikationen ein. „Hinzu kommen institutionelle Hemmnisse bei den Ausländerbehörden, die in der Corona-Pandemie die erfolgreiche Arbeitsmarktintegration durch zu lange Bearbeitungszeiten, eingeschränkten Publikumsverkehr und schlechte Erreichbarkeit erschweren“, sagt El Mellah. Dies gelte besonders für gut qualifizierte aber nur geduldete Bewerber. „Das ist besonders bedauerlich, da gerade diese Menschen durch eine Ausbildung gute Chancen hätten, dauerhaft in Deutschland Fuß zu fassen“, so der Willkommenslotse.

Pandemie bremst die Unterstützung

Bewährt hat sich für fast alle Unternehmen, ihren Mitarbeitenden mit Fluchthintergrund besondere Unterstützungen anzubieten, die über die betriebliche Praxis hinausgehen. Insbesondere im Rahmen der Prüfungsvorbereitung werden die Betriebe selbst aktiv oder nutzen vorhandene Angebote für ihre Auszubildenden. Aber genau das fällt in Zeiten der Corona-Krise schwer. Denn viele der Ehrenamtlichen, die sich um junge Geflüchtete kümmern, sind schon älter und können wegen des erhöhten Infektionsrisikos nicht wie gewohnt aktiv werden. In diesen Fällen können die Unternehmen sich jederzeit an die IHK Düsseldorf wenden. Ansprechpartner ist der Willkommenslotse Rachid El Mellah, Telefon 0211 3557-423.

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