Wolfgang Sohn sieht die Corona-Krise auch als große Chance.

Text: Dagmar Haas-Pilwat, Foto: Paul Esser

Die Corona-Krise hat die Selbstständigen im IHK-Bezirk getroffen – auch persönlich. Etwa Wolfgang Sohn, Multitalent, Fotokünstler, Gründer und Creative Director der Photo Popup Fair, Eventmanager & Dozent für Event-Marketing und Kurator, der am liebsten Künstler mit Kunstinteressierten verbindet.
„Es gab Tage, an denen ich wenig gearbeitet, dafür meist Nachrichten konsumiert habe, trotzdem abends müde und total abgespannt war“, erzählt er. Die Diskrepanz zwischen extrem turbulent und gleichzeitig entschleunigt, zwischen starker Verunsicherung und Gelassenheit hat ihm zu schaffen gemacht, genauso wie der wirtschaftliche Stillstand seines Unternehmens: Galerie geschlossen, Ausstellungen ausgefallen, ruhende Lehrtätigkeit, die Arbeiten für die im Herbst geplante Messe Photo Popup Fair im Stilwerk unterbrochen und Aufträge ausgeblieben. „Das genaue finanzielle Ausmaß kann ich jetzt noch gar nicht absehen“, meint der Kreative. Zum Glück bekam er umgehend die Soforthilfe, um davon seine Betriebskosten, also die Miete für seine Galerieräume und sein Büro, zahlen zu können.

„Vielleicht wird sich auch die Gesellschaft ein wenig verändern“

Wolfgang Sohn

War vor der Pandemie sein Kalender prall gefüllt, hatte Sohn plötzlich Zeit, im Garten ein Hochbeet anzulegen und eine Lounge zu gestalten. Das Leben auf dem Land hatte plötzlich noch mehr positive Bedeutung, während er zeitgleich neue Konzepte und angepasste Szenarien für die bevorstehenden Veranstaltungen entworfen hat.
„Die Corona-Krise ist nicht nur ein großes Unglück, sondern auch eine nicht minder große Chance unser Leben und Arbeiten neu zu überdenken“, sagt er. Viele, in der Schublade bereits vorhandene Prozesse, wurden im Turbogang realisiert. Nun wird unsere Umwelt geschont, weil vielleicht auch in Zukunft weniger Menschen mal eben für ein Meeting beispielsweise nach Berlin fliegen“.
„Ich glaube, wir werden jeder für sich und gemeinsam neue Wege finden. Vielleicht wird sich auch die Gesellschaft ein wenig verändern und möglicherweise Einiges besser machen als bisher“, meint Wolfgang Sohn. Er wünscht sich, dass bei den neuen Schuldenbergen Bildung, Kunst und Kultur in Zukunft nicht ins Hintertreffen geraten.
Persönlich freut er sich darauf, irgendwann wieder machen zu können, was er will, mit all den gekannten Freiheiten – ein Privileg, das man oft nicht entsprechend wertschätze.

In einem weiteren Teil dieser Serie erzählt auch Riccarda Kolb, Inhaberin des Yoga-Studios KarmaKarma, Autorin, ehemalige Anwältin und Managerin bei L`Oréal, wie sie die Corona-Krise erlebt.

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